Grätzelheld*innen Marion Serdaroglu-Ramsmeier, Edith Schwarz, Gottfried Ellmauer, Ilse Appel

© GB* / Dutkowski

Dass man zusammen mehr erreicht, beweist das Team des Bildungsgrätzls Schönbrunn. Denn hier haben sich vier Bildungseinrichtungen aus dem Stadtteil zu einem unschlagbaren Quartett zusammengeschlossen, um die Kinder und Jugendlichen konstant zu begleiten.

Der Kindergarten in der Dadlergasse, die Ganztagsvolksschule Reichsapfelgasse, die Wiener Mittelschule Kauergasse und das Oberstufenrealgymnasium am Henriettenplatz machen seit einigen Jahren gemeinsame Sache. Eine der Initiatorinnen, die Direktorin der WMS Kauergasse Marion Serdaroglu-Ramsmeier, erzählt uns stellvertretend mehr über dieses besondere Engagement für die Jüngsten im Grätzel.

Neuer Schulvorplatz in der Kauergasse!
Direktorin der WMS Kauergasse Marion Serdaroglu-Ramsmeier: „Ich will für die Kinder rund um das Grätzel gestaltend etwas bewirken." (© GB* / Dutkowski)

Marion Serdaroglu-Ramsmeier hat schon von klein auf den Wunsch gehabt, Lehrerin zu werden, den sie dann schließlich verwirklicht hat. „Das Schöne an der Arbeit mit Kindern ist, dass du sehr ehrlichen Response bekommst. Als Lehrerin kann man viel bewirken und Tore und Türen öffnen. Es ist schön, diese Entwicklung mitanzusehen“, klärt sie über die Motivation für ihre Berufswahl auf.

Dass sie diese Entwicklung auch nach der Zeit der SchülerInnen an der Kauergasse mitverfolgen kann, dafür sorgt das Bildungsgrätzel. In der Praxis bedeutet dies, dass sich die DirektorInnen der Bildungseinrichtungen einmal im Monat treffen, sich austauschen und gemeinsame Angebote ins Leben rufen. Alle mit dem erklärten Ziel, Kontinuität für die Kinder und Jugendlichen zu schaffen. „Wir wollen, dass die Kinder und deren Eltern eine Durchgängigkeit erleben. Wir wollen die Brüche an den Nahtstellen vermeiden und Dinge, die im Kindergarten begonnen werden, bis in die Sekundarstufe 2 weiterziehen“, führt die Direktorin weiter aus.

„Es ist ganz wichtig, für die Kinder aus der Region ein verlässliches, durchgängiges und inklusives Angebot zu schaffen.“

Ob Spanisch, Fußball für Burschen und Mädchen oder MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), das inklusive Angebot ist für alle Kinder ausgelegt und soll durch einen spielerischen Zugang für bestimmte Themen begeistern. Bei einem der Projekte besuchen beispielsweise Kinder des Kindergartens Dadlergasse die WMS Kauergasse, wo SchülerInnen Experimente zeigen.

„Kindern eine Stimme geben, sie stärken und zeigen, dass sie was zu sagen haben und mitgestalten können. Das ist ein wesentlicher Punkt der Schule.“

Schulvorplatz Kauergasse
Das neue Schulvorfeld der WMS Kauergasse haben die Kinder mitgestaltet. (© GB* / Dutkowski)

Die Vorteile laut Marion Serdaroglu-Ramsmeier: Die SchülerInnen lernen durch das Lehren und Erklären, die Kindergartenkinder haben so genannte Buddys, die oft als Vorbild dienen. „Das hat sich irrsinnig gut bewährt“, erzählt die Direktorin begeistert und bestätigt, dass alle Beteiligten dabei aufblühen. Für sie war es auch ein logischer Schritt, ihre SchülerInnen einzubinden, als es gemeinsam mit der GB* an Gestaltung des Schulvorfeldes ging.

„Die Kinder haben da einen großen Anteil bei der Mitgestaltung gehabt. Ich glaube das ist ganz wichtig, dass Kinder auch in der Schule lernen, mitgestalten zu können. Dass sie auch eine Idee von politischer Mitgestaltung bekommen. Das ist ganz wichtig!“, führt sie den Gedanken aus. Es wurden Umfragen gemacht, Vorschläge eingebracht und Zeichnungen angefertigt. Am Ende kam sogar der Bezirksvorsteher und hat das Ergebnis mit den SchülerInnen besprochen und begründet, warum gewisse Dinge nicht umsetzbar waren.
 

Bildungsgrätzel Schönbrunn
Workshop gemeinsam mit Marion Serdaroglu-Ramsmeier, Edith Schwarz, Gottfried Ellmauer, Ilse Appel - dem Bildungsgrätzel Schönbrunn (© GB* / Dutkowski)

Als nächsten Schritt in der Entwicklung will das Bildungsgrätzel die Vernetzung mit der Umgebung intensivieren. Ob Schwendermarkt oder Buchcafé - das Team hat große Pläne. Beispielsweise ist eine Veranstaltung geplant, bei der die SchülerInnen ihre Beiträge des Redewettbewerbs „Sag’s multi“ vortragen können. Auch dieses Jahr kam die Gewinnerin aus der Kauergasse, wie Marion Serdaroglu-Ramsmeier strahlend berichtet.

Dass das Bildunsgrätzl so gut funktioniert, ist aber kein Zufall. Es war ein Prozess, der wichtig war, um es nachhaltig umzusetzen, wie die Expertin betont. Was sie anderen Motivierten raten würde, um ein Bildungsgrätzl in ihrem Bezirk aufzubauen? „Ich denke, wesentliche Punkte waren: Kommunikationsstrukturen auszubauen, Begegnungsräume und eine Regelmäßigkeit in der Kommunikation der Bildungseinrichtungen zu schaffen - es braucht die Offenheit von allen Beteiligten“, weiß die Direktorin.

Genau das wollen alle vier Einrichtungen auch in Zukunft leben und haben dafür schon große Pläne: So wollen sie die Jugendlichen und Kinder noch intensiver in ihrer Bildungslaufbahn begleiten, Portfolios erstellen und noch mehr mit Bildungseinrichtungen und dem Grätzel vernetzen. Ein weiterer Wunsch von Marion Serdaroglu-Ramsmeier wäre eine farbliche Markierung des Bildungsgrätzls - wie zum Beispiel Fußabdrücke am Gehsteig von einer Bildungseinrichtung zur nächsten, um sich so noch mehr zu zeigen und zu öffnen.

„Man muss sich Dinge ansehen und Handlungsspielräume schaffen und im Tun passiert dann einiges.“