Grätzelheldin Frau Elisabeth
Die Fee, die verändert

© GB* / Dutkowski

Die Menschen aus dem 15. Bezirk kennen Frau Elisabeth. Manche noch aus der Zeit, als Rudolfsheim-Fünfhaus ein hartes Pflaster mit einem gewissen Ruf war und Frau Elisabeth als Sozialarbeiterin die „Beratung am Eck“ in der Reindorfgasse leitete.

Schon damals unterstützte sie mit niederschwelliger Sozialarbeit Menschen, die Hilfe brauchen. Neben ihrer Familie war dies über viele Jahre ihr Lebensinhalt. Ihr Engagement hat Frau Elisabeth mit ihrer Pensionierung im Jahr 2010 nicht abgelegt. Heute hilft sie immer noch, wo sie kann. 

Grätzelheldin Elisabeth ist in unterschiedlichsten Vereinen ehrenamtlich tätig. Ihre Aufgaben beschreibt sie als sehr vielfältig: „Ich bin für alle Menschen da! Ich mache Sozialberatung, Basis-Fremdenrechtsberatung, Begleitungen zu Ämtern und Institutionen, unterstütze bestehende Nachbarschaftsnetze und betreibe viel Vernetzungsarbeit."

Eines der wichtigsten Dinge für Frau Elisabeth: Zu wissen, der/die Eine braucht das und der/die Andere hat das. Denn wer die Menschen kennt und um ihre Bedürfnisse Bescheid weiß, kann die richtigen Leute zusammenbringen.

"Meine Lebensphilosophie ist: Eintreten für Veränderung. Es kann nicht so bleiben, wie es ist."

Grätzelheldin Frau Elisabeth
Frau Elisabeth ist eine bekannte Person im 15. Bezirk - das liegt vor allem an ihrem sozialen Engagement. (© GB* / Dutkowski)

Frau Elisabeth ist wichtig, dass die nicht Gehörten im Stadtteil eine Stimme haben. Etwa, wenn es um die Teilhabe von nicht Wahlberechtigten im Bezirk geht. „Es gibt Roma-Familien in der 4. Generation die hier leben und nicht einmal auf Bezirksebene wählen dürfen." 

Schon nach kurzen Erzählungen aus ihrem Alltag wird klar, dass ihre ehrenamtliche Hilfe ergänzend zu vielen Einrichtungen im Bezirk notwendig ist. Über die Jahrzehnte hat sie eine vertrauensvolle Verbindung zu den Menschen aufgebaut.

"Ich kenne die Menschen in ihrer Kraft und mit ihrer Not.
Diese Menschen sind nicht sozial schwach."

Aber was treibt Frau Elisabeth an? Sie könnte doch auch irgendwo im Grünen einfach ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. „Meine Gesundheit und familiäre Situation erlauben es mir, mich ehrenamtlich zu engagieren. So lange ich kann, möchte ich das weitermachen!“, meint Frau Elisabeth dazu - fest entschlossen. Ihr Engagement bringt ihr Zufriedenheit, weil sie spürt, dass sie etwas für die Gesellschaft beitragen kann.

"Es ist ein lebendiger Austausch und ich bekomme ja auch viel zurück. Mein Engagement hält mich lebendig!" 

Grätzelheldin Frau Elisabeth
Immer motiviert, anderen zu helfen - eine echte Grätzelheldin eben. (© GB* / Dutkowski)

Hört man diese unglaubliche Motivation in der ruhigen Stimme von Frau Elisabeth ist schnell klar, warum sie eine wahre Grätzelheldin ist. 

Auf die Frage, wie das Grätzel sie bei ihrem Engagement unterstützen könnte, überlegt sie nicht lange: "Ich habe derzeit keine Räumlichkeiten für meine Beratungstätigkeiten. Ich brauche dringend einen Raum, den ich kostenlos einmal pro Woche für circa 4 bis 5 Stunden nutzen kann." 

Der Raum braucht nicht viel: Einen Tisch, ein paar Sessel, die Möglichkeit einer WC-Benutzung und eine Heizung im Winter.

UPDATE! Raum gesucht, Raum gefunden

Das Kulturnetzwerk we open space mit Sitz in der Arnsteingasse 30, 1150 Wien hat Frau Elisabeth kurzerhand als Vereinsmitglied aufgenommen. Seit Mitte September bietet Frau Elisabeth in den Räumlichkeiten des Vereins unentgeltlich ihre Unterstützung an.

Jeden Montag von 14 bis 19 Uhr unentgeltliche Unterstützung für Erwachsene zu

  • Verstehen von rechtlichen oder amtlichen Schreiben
  • Ausfüllen von Formularen (z.B. BMS)
  • Verfassen von Beschwerden,
  • Einsprüchen 
  • und vieles mehr.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen, die Frau Elisabeth bei der Suche unterstützt haben und einen besonderen Dank an das Kulturnetzwerk „we open space“ rund um Herrn Wilfried Egger. Ein schönes Beispiel dafür, wie Miteinander und Unterstützung im Stadtteil gelebt werden!

Darüber hinaus wünscht sie sich ein "Grätzelzentrum": Einen Raum, der ein paar Mal die Woche offen hat und wo Menschen, die zu viel haben (z.B. Kleidung, Hausrat etc.) Dinge hinbringen können und Menschen, die zu wenig haben sich etwas holen können. Zusätzlich könnten hier Angebote wie ein Sprachcafé, Handwerkskurse, Filmabende oder Frau Elisabeths Beratung Platz finden.

"Ein Raum für konsumfreien Austausch aller Art wäre etwas, was das aufstrebende Grätzel rund um Reindorfgasse und Schwendermarkt gut brauchen könnte!"

Grätzelheldin Frau Elisabeth
Frau Elisabeth träumt von Feen-Kräften, die anderen zugute kommen. (© GB* / Dutkowski)

„Wenn du dir eine Superkraft wünschen könntest, welche wäre das und wofür würdest du sie einsetzen?“, fragen wir zum Abschluss.

„Ich sehe mich als Fee, die die Kraft zur Veränderung hat." 

Als Fee würde Frau Elisabeth dann mit einem Fingerschnippen Veränderung zum Guten herbeizaubern: "Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle, damit es kein einziges von Armut betroffenes Kind mehr im Land geben muss. Damit keine alleinerziehende Mutter sich mehr vor dem Schulanfang fürchten muss, weil sie sich diesen nicht leisten kann."

Und Grätzelheldin Elisabeth würde für ihren geliebten Bezirk einen offenen „Grätzeltreff“ erschaffen, wo die Menschen zusammenkommen können: Ein buntes, lila Haus – mitten auf der Reindorfgasse!