Grätzelheld Hans Hatzl
Bescheidenes Reindorfgassen-Urgestein

© GB* / Dutkowski

Wenn Hans Hatzl eines nicht mag, dann sind das Lobeshymnen auf seine Person. Erfährt man jedoch mehr über seinen jahrelangen Einsatz in der Reindorfgasse und wie viel Herzblut, Zeit und Energie er in sein ehrenamtliches Engagement gesteckt hat, fällt es einem schwer, nicht in die Hymnen miteinzustimmen.

Doch die nüchternen Fakten sprechen ohnehin ihre eigene Sprache: Die Reindorfgasse ist mit ihren vielseitigen Veranstaltungen über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Einer, der zum Erfolg beigetragen hat, ist Hans Hatzl, der sich - obwohl er kein Fan von Interviews ist - für das Gespräch mit der Gebietsbetreuung Stadterneuerung Zeit genommen hat. 

„Das Urbane, das Dörfliche und auch wieder mehr Geschäfte - das macht die Reindorfgasse aus“  

Grätzelheld Hans Hatzl
Weit kommt Herr Hatzl nicht, wenn er durch die Reindorfgasse geht. Man kennt sich, man mag sich und Gesprächsstoff gibt es immer. (© GB* / Dutkowski)

„Ich bin kein ‚großer Teil‘ der Reindorfgasse, sondern ‚ein Teil‘ davon. Der Einsatz ist nicht von mir allein, das ist vom ganzen Team und vom Bezirk. Da muss man schon das Kind in der Badewanne lassen“, stellt Hans Hatzl, der frühere Obmann der IG Kaufleute Reindorfasse, gleich zu Beginn klar.

Viel lieber als über sich als Person spricht er aber über die Aktivitäten und die Entwicklung der Reindorfgasse. 22 Jahre lang hat er es sich mit seinen Vereinskollegen zur Aufgabe gemacht, die Reindorfgasse zu beleben. 

"Abwandernde Geschäftsleute und die Konkurrenz von großen Einkaufsstraßen haben dazu geführt, dass die Reindorfgasse immer leerer wurde. Das haben wir zum Anlass genommen, die Straße sowohl für Besucher als auch für Geschäftsleute wieder attraktiver zu machen."

Das jährlich stattfindende Reindorfgassenfest, Faschingsumzüge, Sambatanzen, der Lumpenball oder Veranstaltungen in der Kirche - kaum ein Anlass wird hier ausgelassen.

Mit dabei bei den Events ist auch Hans Hatzls Frau, die während des Interviews liebevoll Anekdoten beisteuert und auch schon im Hasen- oder Krampuskostüm die Gasse auf- und abgegangen ist, wie sie lachend erzählt.

„Die Reindorfgasse hat eine gewisse Anziehungskraft“

Grätzelheld Hans Hatzl im Interview
Herr Hatzl hat viel bewegt aber möchte nur mehr hier wohnen und auf Feste gehen: "Es gehören Junge her, die es anders machen und andere Ideen haben, auch für die Jugend." (© GB* / Dutkowski)

„Wir haben im Laufe der Jahre versucht, mit Veranstaltungen anzufangen und wieder für neue Geschäfte und Betriebe attraktiv zu werden. Ich denke, dass ist uns bis zu einem gewissen Grad gut gelungen. Es bräuchte noch ein bissl was“, erinnert sich Hans Hatzl an die Anfänge seiner Zeit als Obmann.

Diese Aufgabe hat er mit Ende des letzten Jahres niedergelegt. An seine aktive Zeit erinnert er sich gerne, jetzt ist aber Zeit für die Familie und ihn selbst, wie er mit einem Lächeln verrät. Ohne seine Frau hätte er sich sowieso nie so aktiv einbringen können.

War er wieder einmal in Sachen Reindorfgasse unterwegs, hat sie den Malerbetrieb und das Farbgeschäft betreut. „Da bin ich ihr heute noch dankbar“, betont Hans Hatzl mit Blick zu seiner Frau. 

„Die Reindorfgasse ist auf einem guten Weg, wenn es so weitergeht wie bis jetzt“

Kaffeekränzchen beim Grätzelheld Hans Hatzl
Herr Hatzl meint: "Das Urbane, das Dörfliche und auch wieder mehr Geschäfte - das macht die Reindorfgasse aus." (© GB* / Dutkowski)

Während beide in Erinnerungen schwelgen und über Herausforderungen sprechen, duftet es nach frisch gebrühtem Kaffee und eine Schokoladentorte wartet darauf, gegessen zu werden. Es scheint, dass Gastfreundschaft bei Familie Hatzl in den eigenen vier Wänden beginnt und sich dann auf die ganze Gasse ausbreitet.

Weit kommen sie nicht, wenn sie durch die Reindorfgasse gehen, erzählen sie schmunzelnd. Man kennt sich, man mag sich und Gesprächsstoff gibt es immer. Dass die Reindorfgasse beliebt ist, zeigt sich laut Hans Hatzl auch darin, dass immer mehr junge Leute hierherziehen. 

Besonders die gute Infrastruktur und die Anbindung an die Öffis macht er dafür verantwortlich. Und die vielen Feste sind ein zusätzlicher Reiz.

Doch nicht alle haben euphorisch auf die Aktionen und Veranstaltungen reagiert, wie er offen erzählt. Aber auch das gehört zum Prozess, wenn man etwas bewegen möchte, denn am Ende des Tages will niemand zugenagelte Geschäftsportale, ist er überzeugt. 

„Ich war, bis auf ein paar Ausnahmen, immer ein Fünfhauser - vielleicht habe ich auch deswegen den Antrieb, hier etwas weiterzubringen“

Grätzelheld Hans Hatzl im Gespräch
Herr Hatzl ist sich sicher: „Die Reindorfgasse ist auf einem guten Weg, wenn es so weitergeht wie bis jetzt.“ (© GB* / Dutkowski)

Auch wenn es Hans Hatzl wichtig ist, immer wieder zu betonen, dass man das Erreichte nur als Gemeinschaft umsetzen konnte, ist er dennoch stolz auf seine aktiven Jahre. „Freilich macht es einen auch stolz bis zu einem gewissen Grad. Man macht diese Tätigkeit ehrenamtlich, weil es einem Spaß macht und man glaubt, dass man etwas bewegen kann. Der beste Rückhalt ist das Echo, wenn viele Leute zum Fest oder zum Kirchenkonzert kommen. Das ist für uns ein Zeichen, dass die Arbeit, die wir geleistet haben, gut war. Mehr soll es nicht sein.“

Ab und zu hätte er sich aber doch mehr Engagement von den anderen Geschäftsleuten der Gasse gewünscht. Denn nur wenn sich alle aktiv einbringen, sich konstruktiv und kritisch austauschen, kann man etwas weiterbringen, davon ist er überzeugt. Sich selbst musste er dabei aber nicht oft motivieren. 

„Das ist ein innerer Antrieb. Als Obmann habe ich immer versucht, Leute zu animieren, etwas auf die Beine zu stellen.“

Grätzelheld Hans Hatzl
Grätzelheld Hans Hatzl: Zufrieden nach der jahrelangen Arbeit. (© GB* / Dutkowski)

In diesem Jahr hat er das Reindorfgassen-Zepter an einen jungen Kollegen weitergegeben und ist gespannt, was Neues entstehen wird. „Ich will nur mehr in der Reindorfgasse wohnen und auf die Festln gehen. Es gehören Junge her, die es anders machen und andere Ideen haben, auch für die Jugend. Gut ist es nur, wenn man sieht, die Jungen machen es anders und haben auch Erfolg, das ist das Wichtige“, sagt er reflektiert. Ein letztes Mal wird er es aber noch tun und ist dieses Jahr beim Maifest noch als helfende Hand dabei.

„Was ich mir für die Reindorfgasse wünsche, ist Zusammenhalt unter der Mitgliedern und dass sie weiterhin aktiv bleiben - dann läuft es schon“