Mit Rückenwind aus der Vergangenheit
Petra Unger
Wenn Petra Unger durch Mariahilfs Straßen geht, dann tut sie das mit dem Rückenwind vieler historischer Frauen, die hier gelebt, gewirkt und Spuren hinterlassen haben. Die Expertin für Stadtvermittlung hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Geschichten dieser Frauen sichtbar und erlebbar zu machen. „Ich hatte eine unglaubliche Unruhe in mir und war gelangweilt von der Männergeschichte. Wir haben die Geschichte der Mehrheit, nämlich die der Frauen nicht kennengelernt.“ Das will sie ändern. Deswegen gründet sie vor 30 Jahren die Wiener Frauen*Spaziergänge, um das historische Narrativ zu ändern. Mit Erfolg.
Mit ihren Spaziergängen, die sie in (fast) ganz Wien anbietet, erzählt Petra Unger von Frauen, die die Stadt geprägt haben – im Großen wie im Kleinen. Dabei geht es ihr nicht um Heldinnen oder Vorbilder, sondern um ein vielschichtiges Bild weiblicher Geschichte. Sie will neben den Errungenschaften auch die Persönlichkeiten fassbar machen. „Es ist nicht nur als Leistungsschau oder Helden*innengeschichte zu verstehen. Auch wenn ich die unzähligen, nicht gesehenen Leistungen der Frauen sichtbar machen möchte. Frauen haben sich gegen Diskriminierung gewehrt, sie waren aufmüpfig und haben trotz zahlreicher, oft schmerzhafter Rückschläge weitergemacht. Sie haben sich weiterentwickelt und sie haben anderen Frauen Türen geöffnet.“ Türen, die sie auch mit ihren Spaziergängen öffnen möchte.

Der Austausch mit anderen Frauen und das Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestärken sie in ihrer Arbeit. Bei den Spaziergängen entsteht nicht nur Gemeinschaft, sondern oft auch persönlicher Austausch. „Frauen, die beim Spaziergang mitgehen, sagen oft: ‚Jetzt erlebe ich meine Stadt völlig anders, jetzt hat die Stadt endlich was mit mir zu tun.‘“
Zeigen, was möglich ist
Um die vielfältigen Lebensgeschichten von Frauen erlebbar zu machen, begibt sich Petra Unger auf die Suche. Ihre Recherchen führen sie in Archive, Bibliotheken, zu Nachlässen oder Dissertationen. Die Spurensuche ist oft langwierig und mühsam – aber der Aufwand lohnt sich.
Auch Petra Unger erlebt immer wieder Rückschläge und muss Hürden überwinden, aber sie lässt sich nicht aufhalten: „Aufgeben ist keine Option, Frauengeschichte will und muss erzählt werden!“
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In dieser Ausgabe dreht sich alles um Mariahilferinnen, die sich für den Bezirk einsetzen. Lassen Sie sich inspirieren.
Topthemen in der Ausgabe:
- Spuren in Mariahilf. Historische Frauen, die Geschichte im Bezirk geschrieben haben.
- Mariahilfer Frauenwochen. Programm von Frauen für Frauen.
- Frauen im Portrait. Wir stellen Frauen vor, die Mariahilf bewegen.
- Und vieles mehr!
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