Selber schrauben, gemeinsam lernen
Die Flickerei in Mariahilf

© GB*/Dutkowski

In Mariahilf lässt sich’s gut radeln. Tempo 30, offene Einbahnen und neue Radwege machen den Bezirk besonders radfreundlich. Aber was, wenn der Reifen platzt oder die Bremsen streiken? Fahrradwerkstätten können helfen – und in der Flickerei in der Turmburggasse kann man noch dazu lernen, das eigene Fahrrad selbst wieder in Schuss zu bringen. 

Das spart nicht nur Geld. Es ist auch ein gutes Gefühl, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto der Flickerei, die sich als Fahrradselbsthilfewerkstatt versteht und damit die einzige dieser Art im Bezirk ist. Jeden Dienstag von 17 bis 21 Uhr können in der offenen Werkstatt Fahrräder selbst repariert oder zusammengeschraubt werden, bei Bedarf geben geübte Schrauberinnen und Schrauber Tipps und Tricks. Werkzeug, gebrauchte Ersatzteile, Raum und Know-how werden gegen einen kleinen Spendenbeitrag geteilt.

Die Grätzloase vor der Flickerei wirkt einladend und lädt zum Verweilen ein. Drinnen im Souterrain des Gassenlokals schraubt eine Besucherin konzentriert an ihrem Rad. Die Atmosphäre ist locker, viel Selbstgemachtes steht rum, es läuft coole Musik. Immer wieder kommen neue Menschen. Lisa grüßt alle freundlich. „Es sind oft neue Leute hier, aber auch viele, die die Flickerei schon lange kennen und immer wieder vorbeikommen – ob zum Reparieren oder zum Tratschen.“ Lisa, selbst Künstlerin und Filmtonmeisterin, werkelt hier seit 2018 und tauscht sich beim Reparieren gern mit anderen aus.

In der Flickerei packen alle an. (© GB*/Dutkowski)

„Sich ums Rad kümmern, eine Bindung zum Gegenstand aufbauen, ist was mich persönlich reizt“, erzählt Lisa. „Für mich ist es interessant, ein bisschen zu wissen, was das Gerät macht“. Sie ist neugierig auf die Mechanismen hinter den Dingen, zerlegt auch mal einen Toaster. Das nimmt die Angst vor der Technik. Die Werkstatt wird vom Flickerei-Team ehrenamtlich betrieben und hauptsächlich über Mitgliedsbeiträge finanziert. Seit 2021 ist die Flickerei im 6. Bezirk ansässig, ab Februar 2026 wird eine neue Stätte gesucht – gerne in Mariahilf, da man sich hier gut eingelebt hat.

„Für mich ist das Rad das beste Fortbewegungsmittel in der Stadt und darüber hinaus.“
 

Lisa ist vor allem auch wegen der Begegnungen und des Miteinanders hier: „Ich mag Räume, wo man merkt, dass da irgendwas passiert, wo gewerkt wird, wo man vielleicht was gestalten kann“. Es kommen ganz unterschiedliche Menschen zu den offenen Werkstätten: Menschen aus dem Bezirk und darüber hinaus, Studierende, Erwerbstätige, Arbeitslose, erprobte Fahrradmechanikerinnen und -mechaniker und Laien, Menschen, die wegen ihrer Liebe zu Rädern hier sind, und Menschen, für die Reparaturarbeiten in einer kommerziellen Werkstätte zu teuer sind. Die einen kommen, um eigenständig umzuspeichen, Laufräder zu zentrieren oder Tretlager auszutauschen. Andere sammeln unter Anleitung erste Erfahrung beim Reifen aufpumpen, Schlauch flicken, Bremsklötze austauschen. „Für mich ist das Rad das beste Fortbewegungsmittel in der Stadt und darüber hinaus“, sagt Lisa.

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In dieser Ausgabe dreht sich alles um Mariahilferinnen, die sich für den Bezirk einsetzen. Lassen Sie sich inspirieren. 

Topthemen in der Ausgabe:

  • Spuren in Mariahilf. Historische Frauen, die Geschichte im Bezirk geschrieben haben. 
  • Mariahilfer Frauenwochen. Programm von Frauen für Frauen.
  • Frauen im Portrait. Wir stellen Frauen vor, die Mariahilf bewegen. 
  • Und vieles mehr!

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