Weg frei für begrünte Fassaden!
Von der Idee zur Umsetzung


Die Pelzgasse im 15. Bezirk ist um ein neues grünes Spektakel reicher. Seit vergangenem Sommer lädt hier eine begrünte Fassade zum Verweilen und Staunen in der Wohnstraße ein. Einer der Mit-Initiator*innen ist Daniel Böswirth, der gemeinsam mit seinen Nachbar*innen das Projekt gestartet hat. Hier erzählt er, wie es dazu gekommen ist und gibt Tipps für Nachahmer*innen.


„Die Pelzgasse ist ein sehr geselliger Ort - es ist besonders schön, dass hier viele Menschen am Abend sitzen bleiben und miteinander reden.“ (© GB*/Daniel Dutkowski)

Bis sich Pflanzen am neuen Seilsystem nach oben ranken konnten, war es ein langer Weg. „Die Idee wurde schon um 1995 geboren. Da war ich in Odessa und dort gibt es sehr breite Straßen und oft ist bei den Häusern Wein gepflanzt - das hat uns so gut gefallen“, erklärt Fotograf und Landschaftsgärtner Daniel Böswirth. Doch eine Umsetzung in seiner Gasse war unmöglich, weil diese schlicht und einfach nicht breit genug war.

„Die Situation hat sich schlagartig geändert, als hier die Wohnstraße entstanden ist“, führt er weiter aus und erzählt von der Initiative Pelzgasse, die das Leben hier nachhaltig verändert und den Weg für die Fassadenbegrünung im wahrsten Sinne des Wortes geebnet hat.

Gesagt, getan.

„Es wird sehr angenommen, auch von Menschen, die nicht hier wohnen.“ (© www.gartenfoto.at )

Nachbar*innen und Hausherr waren von der Idee begeistert. Auch dass viele Expert*innen wie er selbst im Haus wohnen, sieht er als großen Vorteil des Projekts. Mit viel Enthusiasmus und Realismus ging man das an das Projekt heran, wie er erzählt.

„Man muss schauen, dass man Pflanzen wählt, die sehr wüchsig sind, immerhin ist es Stadtklima und kein Garten“, klärt er auf und setzt nach, dass nicht jede Pflanze geeignet für so ein Projekt ist. Rosen bergen beispielsweise die Gefahr, dass Passant*innen beim Vorbeigehen hängenbleiben. Speisewein braucht durch herabfallende Früchte viel Pflege. All dessen sollte man sich im Vorhinein bewusst sein und genau abwägen, führt der Experte aus. Deswegen begrüßt einen in der Pelzgasse Scharlachwein, der keine essbaren Trauben trägt.

Anfängliche Bedenken, dass ein begrüntes Haus Ungeziefer anlockt und die Fassade beschädigt wird, konnte er aus dem Weg räumen. Um eine Beschädigung zu verhindern, wurde vor der Anbringung des Spannsystems die Fassade renoviert. So ist sie auch für die kommenden Jahre bestens vorbereitet.
 

Gut fürs Klima. Gut für die Nachbarschaft.

Eine begrünte Fassade tut nicht nur dem Klima gut, sondern belebt auch die Nachbarschaft, das freut Daniel Böswirth besonders. (© GB*/Daniel Dutkowski)

Doch nicht nur fürs Klima hat die Begrünung Vorteile, sondern auch die Nachbarschaft wird belebt, wie Daniel Böswirth begeistert berichtet. Während des Gesprächs bleiben immer wieder Menschen stehen und betrachten die Pflanzen. Oft ergibt sich dabei ein spannender Austausch, wie der Gärtner berichtet.

Zu staunen gibt es viel, setzt der Gärtner oft auf Exoten wie beispielsweise die Mondblume, die erst am Abend aufblüht. „Da waren von den Nachbarn auch kleine Briefe drinnen, dass es so schön bepflanzt ist.“ Als Dankeschön befestigt er nach der Samenernte im Herbst kleine Päckchen mit Samen für die Nachbar*innen am Spannsystem.

Für alle, die nun auch ihre Fassade begrünen wollen, hat er klare Tipps: „Wichtig ist, dass man sich das grundsätzliche Okay (bei der Hausverwaltung bzw. Eigentümer*in) holt und sich fragt, wie man es finanziert. Dann sollte man seine Idee in einem groben Konzept festhalten und sich gegebenenfalls Rat von Expert*innen einholen.“