Farouk - mit der Natur verbunden
Gartengespräch

© GB* / Dutkowski

Sich die Hände schmutzig machen - das war der Wunsch von Farouk, als er zum ersten Mal Kontakt mit dem Matznergarten aufgenommen hat. Das liegt nun ein Jahr zurück.

Jetzt sitzt er inmitten des Gartens auf einer weißen Bank und kostet Kräuter, die Kati ihm während des Gesprächs zum Probieren gibt. Als er den Matznergarten zum ersten Mal betreten hat, war klar: Hier will er hin. Dabei geht es ihm vor allem um die Ruhe, die der Garten ausstrahlt.

Der grüne Fleck in Wien

Farouk bei der Arbeit im Nachbarschaftsgarten Matznergarten
Sich die Hände schmutzig machen - das war der Wunsch von Farouk, als er zum ersten Mal Kontakt mit dem Matznergarten aufgenommen hat. (© GB* / Dutkowski)

„Ich habe damals von einem österreichischen Freund von mir vom Matznergarten erfahren. Ich komme aus einem syrischen Dorf und in Wien hat es keine grünen Plätze gegeben, wo ich arbeiten und mein Wissen anwenden konnte“, erzählt der Künstler, der in Syrien an der Kunstakademie als Professor gearbeitet hat.

An seinen ersten Kontakt mit dem Matznergarten kann er sich noch genau erinnern. Er machte ein Picknick mit einer Freundin, der er seinen Wunsch nach etwas Grün im Alltag erzählte und die ihn dann vernetzte.

Ein Telefonat später stand er neben Kati und Johanna im Garten, umgeben von Blüten und Pflanzen und wusste: Er hat seinen grünen Fleck in Wien gefunden.

Sozialkontakte durchs Gärtnern gewinnen

Farouk im Interview
Farouk gewinnt tiefgehende Sozialkontakte durchs Gärtnern. (© GB* / Dutkowski)

Das finden nicht nur er, sondern auch seine drei Kinder toll, die ihm fleißig helfen sein Beet zu bepflanzen. Neben der Arbeit im Garten war aber vor allem der Wunsch nach Kontakt zu anderen ausschlaggebend, sich beim Matznergarten zu melden.

Sozialkontakte hat er im Garten gefunden. Mit Kati teilt der Maler beispielsweise nicht nur seine Passion fürs Gärtnern, sondern auch die für die Kunst.

„Wir wollen unsere Nachbarn kennenlernen. In Europa ist es ein anderes System - die orientalischen Leute sind immer auf der Straße - alle kennen sich untereinander, aber hier nicht. In meinem Haus sagen wir nur ‚Guten Morgen‘, aber in unserer Tradition muss man tiefergehende Sozialkontakte pflegen.“

Tief verwurzelt in der Natur

Blühender Nachbarschaftsgarten
Im Matznergarten kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. (© GB* / Dutkowski)

Seine Liebe zur Natur ist tief in Farouk verwurzelt erzählt er. In der Kindheit hatte er wenige Freunde und ist viel in die Natur gegangen. Die Steine, die Erde und die Bäume - er war immer mit seiner Umgebung verbunden und sie hat ihm Geschichten erzählt.

„Die Natur ist besser als viele Menschen. Natur spricht mit einem“, sagt er und so kam es, dass er als Kind viele Geschichten über die Natur geschrieben hat. Doch nicht nur das geschriebene Wort wurde von der Natur inspiriert, auch viele seiner Bilder haben ihren Ursprung in ihr.

Dabei malt er jedoch nicht 1:1 was er gesehen hat, es sind eher die Stimmung und die Erinnerungen, die ihn inspirieren. „Früher waren meine Landschaften immer sehr ruhig - heute nicht mehr. Aber das ist vielleicht auch einfach wie im Leben - hier ist keine Zeit, alle Menschen sind immer aktiv und hektisch. In Syrien haben wir viel Zeit, aber hier sind 24 Stunden am Tag nicht genug, um zu leben. 36 wären besser“, sagt er lachend.

Wenn es einmal wieder zu hektisch wird, dann kommt er in den Matznergarten. Das satte Grün des Grases, die bunten Blüten der Rosen und der würzige Geruch der Kräuter. Er ist überzeugt, dass ein Garten Menschen hilft, abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. In der Stadt haben seiner Meinung nach viele diesen Kontakt zur Natur verloren. Ist diese Verbindung jedoch intakt, lebt der Mensch ruhiger und ausgeglichener.

Grenzenlose Liebe zum Matznergarten

Es ist also kein Wunder, dass Farouk sich auch von einem bevorstehenden Umzug nicht vom Matznergarten trennen lässt. Schnell mal in den Garten kommen, ist dann nicht mehr möglich - davon lässt sich Farouk sein Matznergarten-Glück aber nicht trüben.

Das Beet aufzugeben, ist für ihn keine Option, zu sehr hat er die Gemeinschaft ins Herz geschlossen. In Zukunft wird die Anreise also etwas länger dauern, das nimmt er jedoch gerne in Kauf, weil der Matznergarten ihm hilft, zur Ruhe zu kommen, denn hier darf er etwas machen, selbst Hand anlegen und gestalten, wie er erzählt.

Die Macht der Blumen

Nachbarschaftsgarten Matznergarten
Matznergarten: Ein Paradies für Insekten! (© GB* / Dutkowski)

Ob er im Garten eine typische Pflanze aus Syrien vermisst? Dass keine Oliven im österreichischen Klima wachsen, damit kann er leben. Was Farouk aber wirklich abgeht, sind duftende Nelken. Sein Haus in Syrien war mit ihnen eingerahmt. Die Nelken, die er jedoch in Wien im Supermarkt findet, riechen nach gar nichts, erzählt er enttäuscht.

Hier kommt das geballte Wissen des Matznergartens zum Tragen, denn Kati weiß: Es gibt spezielle Duftnelken.

Farouks Augen beginnen zu leuchten und ein Strahlen umgibt ihn. „Wirklich?“, fragt er freudig und kurz waren wir in Gedanken bei seinem Haus in Syrien und hatten den Duft der Blumen in der Nase. Bald blühen also hoffentlich auch Duftnelken im Matznergarten.