Doris - Kämpferin gegen Großstadtanonymität
Gartengespräch

© GB* / Dutkowski

Der Großstadtanonymität den Kampf ansagen - das war das Ziel von Doris, als sie sich für ein Beet im Matznergarten beworben hat. Als die Chemie beim ersten Kennenlernen dann auch noch gestimmt hat, war klar: Doris will Teil des Matznergartens werden.

Dass sie nun gemeinsam mit Gärtnerprofi Johanna fixer Bestandteil des Gartenalltags ist, hat sie damals noch nicht geahnt. Warum es für sie immer noch ein Wunder ist, dass aus einem kleinen Samen eine große Pflanze werden kann, hat sie uns erzählt.

Matznergarten: Das Dorf in der Stadt

Nachbarschaftsgarten Matznergarten
Ein süßlicher Geruch von Blüten und Kräutern liegt in der Luft, der nur kurzfristig vom Geruch des Komposts abgelöst wird. (© GB* / Dutkowski)

Doris ist gerade mit der Arbeit fertig geworden und lächelt, als sie sich auf die Bank zu ihren Kolleginnen Kati und Johanna setzt. Letztere hat gerade erzählt, dass ihr Doris im Traum erschienen ist. So sehr hat Johanna sich jemanden gewünscht, der mit anpackt.

Anpacken kann Doris und wissbegierig ist sie auch. Es scheint, als hätten sich die beiden Gärtnerinnen gesucht und gefunden, das zeigt sich auch bei der einen oder anderen vertrauten Neckerei der beiden. Man merkt sofort: Gartenarbeit schweißt zusammen.

„Zum einen wollte ich beim Matznergarten mitmachen, weil ich vom Land komme und mir die Natur sehr am Herzen liegt und ich das in der Stadt ein wenig verloren habe. Aber eigentlich habe ich mich vorrangig gemeldet, weil mir das soziale Gefüge ein bisschen gefehlt hat.“ 

Ich brauche das Dorf in der Stadt ein bisschen.“ Doch bis sie hier ihr eigenes kleines Penzinger Dorf gefunden hat, hat es ein wenig gedauert. Nach und nach knüpfte sie mehr Kontakte, bis sie nun schließlich einmal in der Woche fix mit Johanna im Garten steht und anpackt.

Von der Liebe zum Rasenmähen

Nachbarschaftsgarten Matznergarten
Gärtnerin Kati hat im Garten ihre Passion für Kompost entdeckt. (© GB* / Dutkowski)

Im ersten Jahr war Doris beim Gärtnern noch ein wenig chaotisch. Ihr Beet quoll über und sie hat so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, gibt sie grinsend zu. Aber eines war immer da: Das Bedürfnis, sich einzubringen, vom Wissen der anderen zu lernen und den Garten aktiv mitzugestalten.

So kam es auch, dass sie anfangs heimlich Rasen mähen gegangen ist: „Ich war ganz heiß drauf, Rasen zu mähen“, erzählt sie lachend. Eine Tatsache, die ihre MitgärtnerInnen gerne gesehen haben.

Ein süßlicher Geruch von Blüten und Kräutern liegt während des Gesprächs in der Luft, der nur kurzfristig vom Geruch des Komposts abgelöst wird. Blüten in allen Farben und Formen lachen einen an. Was man auf den ersten Blick nicht gleich erahnt: Hier steckt harte Arbeit dahinter, wie Doris betont.

Die Gartensaison beginnt im Februar

Der grüne Fleck in Wien
Blühende Pfingstrosen. Duftende Kräuter. Ein einladender Tisch zum Plaudern. Wenn man das kleine Holztor in Penzing öffnet, befindet man sich in einer grünen Oase - dem Matznergarten. (© GB* / Dutkowski)

„Das Tolle an der gemeinsamen Arbeit ist, dass wir sehr viel geschafft haben. Aber es ist nicht so, dass man nur mal ein bisschen mit der Gießkanne herumgeht - mit dem is es ja nicht getan“, klärt Doris auf.

Und so kommt es auch, dass sie und Johanna im Februar bereits im Garten stehen, um die neue Saison vorzubereiten. Bewaffnet mit drei paar Socken und zwei Jacken wird dann Laub gerecht, Holz entfernt und Sträucher geschnitten. Fast hat man das Bedürfnis, eine Schaufel in die Hand zu nehmen und selbst loszulegen.

„Das Gartenjahr hat für mich auf einmal ein Gesicht bekommen. Das geht nur, wenn man einmal frierend im Februar anfängt, das Laub wegzuräumen. Man bekommt diesen speziellen Geruch in die Nase und merkt, der Frühling ist im Anmarsch - das ist ein total befriedigendes Gefühl. Es ist nicht so, dass man dauernd nur Purzelbäume schlägt, aber es ist unglaublich harmonisierend und ausgleichend.“

So verliert die Anonymität der Großstadt an Bedeutung

Doch ist ihr Plan aufgegangen? Hat Doris den Bann der Großstadt gebrochen? Ja, hat sie.

„Die Anonymität der Großstadt hat für mich an Gewicht verloren. Man hat etwas, wo man sich trifft, wo man gemeinsam arbeiten, mal ‚Hallo‘ sagen kann und mit den PassantInnen über den Zaun interagiert.“

Manche der Passantinnen und Passanten bleiben länger stehen und plaudern mit Doris, manche wollen nur Smalltalk führen, aber sie alle atmen - unterbewusst - kurz auf. Egal, ob Parkkinder oder der Nachbar um’s Eck. Eine Gemeinsamkeit, die Doris mit der Zeit entdeckt hat: Viele der Gesprächspartner hatten selbst mal einen Garten und spüren eine tiefe Sehnsucht nach etwas Grün in der Stadt. Sie alle holen sich ihre Dosis Garten also nun im Matznerviertel.

Ein Garten, der öffnet und weicher macht

Entspannen im Nachbarschaftsgarten Matznergarten
Der Nachbarschaftsgarten Matznergarten lädt die Nachbarschaft zum entspannen ein! (© GB* / Dutkowski)

„Die Materie Garten verleitet dazu, aus sich herauszugehen und persönlicher zu werden. Manchmal erzählen die Leute dann, woher sie kommen, was sie machen und es bleibt nicht bei Gesprächen, wie das Wetter gerade ist“, berichtet Doris aus dem Gartenalltag. 

Es scheint, als hätte nicht nur Doris der Anonymität der Großstadt die Zähne gezeigt, sondern auch die Menschen in der Nachbarschaft, die diese Möglichkeit dankend annehmen. Doris versichert zum Abschied: Ein Garten öffnet Menschen und macht sie ein bisschen weicher.