Smart wohnen in Wien
Was meinen unsere ExpertInnen?

Wir haben nachgefragt - was meinen unsere GB*-ExpertInnen zum Thema Smart Wohnen?

  • Bild des GB*-Experten Jacques Philippe Shumbusho
  • Bild der GB*-Expertin Jana Hann
  • Bild des GB*-Experten Martin Skrivanek
  • Bild der GB*-Expertin Sabine Loew
  • Bild der GB*-Expertin Tamara Brajovic

Welchen Beitrag kann das SMART-Wohnbauprogramm im Kontext einer wachsenden Stadt aus fachlicher Sicht leisten?

Jana Hann (JH): Wien wächst! Das ist Chance und Herausforderung zugleich. Durch kompakte Wohnungsgrundrisse bei gleichzeitiger Erweiterung der Wohnräume durch private Freiräume, wie Balkone oder Gärten, sind SMART-Wohnungen einerseits ressourcenschonend und bieten zum anderen eine hohe Wohnqualität.

Was sind die Qualitäten der SMART-Wohnungen aus baulicher/architektonischer Sicht?

Jacques-Philippe Shumbusho (JPS): Architektonisch sind SMART-Wohnungen eine gute Lösung - hier wird eine hohe Qualität für eine breite Masse geschaffen. Die SMART-Wohnungen weisen im Vergleich zu konventionellen Wohnungen bauliche Unterschiede auf – sie sind sehr kompakt und reduziert. Es fallen Vorräume und Abstellräume eher klein aus oder fehlen gänzlich, dafür sind großzügige Nassräume vorgesehen. Aus diesem Grund eignen sie sich eher für Singles und Kleinfamilien.

Wie schätzt ihr den Mix aus SMART-Wohnungen, geförderten Mietwohnungen, geförderten Mietwohnungen mit Eigentumsoption und Eigentumswohnungen in Bezug auf die Zufriedenheit/das Zusammenleben der BewohnerInnen ein?

Tamara Brajovic (TB): Diese Zusammenstellung ist eine gute und bewährte Lösung für eine soziale Durchmischung in einem Grätzel. Diese so genannt „Wiener Melange“ schafft es, dass keine Ghettobildung entsteht und damit die Zufriedenheit im Zusammenleben wesentlich erhöht wird.

Wie unterscheidet sich das Feedback der Zielgruppen der SMART-Wohnungen (SeniorenInnen, AlleinerzieherInnen, Start-Wohnungen)?

Sabine Löw (SL): Es ist jedes Mal aufregend, wenn man an den Wohnungstüren läutet, da man ja nicht weiss, wer denn nun öffnet. Bei unserer Befragung haben wir einen breiten Querschnitt der Bevölkerung erreicht. Für sehr junge MieterInnen (Erstmieter) sowie Jungfamilien waren vor allem die geringen Eigenmittel sowie die kostengünstige Miete ausschlaggebend für die Wahl einer SMART-Wohnung. Junge Familien sowie AlleinerzieherInnen erfreuen sich zudem daran, dass Neubauten gut ausgestattete Grün- und Freiräume in der nahen Umgebung bieten - was vor allem für die Knder wichtig ist.

Für SeniorInnen waren es neben den finanziellen Vorteilen die Kompaktheit, die Barrierefreiheit der Wohnung und der Wohnumgebung sowie die Möglichkeit einer wohnungsbezogenen Freifläche, wie Balkone, Terrassen oder Gärten, sich für eine SMART-Wohnung zu entscheiden. Quer durch alle BewohnerInnengruppen wurde es auch als Chance gesehen gemeinsam eine gute Nachbarschaft zu entwickeln und zusammenzuwachsen. Unterstützend wirken dabei die vorhandenen Orte der Begegnung, wie Gemeinschaftsräume und miteinander nutzbare Außenflächen an den Neubauten.

Welche Rolle nimmt die GB*3/11 in Bezug auf das SMART-Wohnbauprogramm ein?

Martin Skrivanek (MS): Die GB*3/11 informiert über die Beweggründe, die fachlichen Details aber auch über die Voraussetzungen für die Vergabe dieser Wohnungen. Dazu gibt es Informationen zum Wohnumfeld, dessen Entwicklungschancen sowie über aktuelle Bauvorhaben im Gebiet.

In den Gesprächen mit interessierten Menschen kann ich nicht oft genug darauf hinweisen, welchen wichtigen Beitrag Wien für leistbaren Wohnraum leistet!

JH: Und darüber hinaus sind wir, wie bei anderen Projekten auch, ein Teil der sozialen Säule vor Ort. Wir informieren, reden mit den Menschen, organisieren Pflanzentauschbörsen, Spaziergänge, Stadtteilfeste und unterstützen positive BewohnerInnen-Initiativen. Dieses Zusammenspiel aus städtebaulicher und architektonischer Qualität mit nachbarschaftlichen Aktivitäten macht es ja auch aus. Klar steht das nicht im SMART-Wohnbauprogramm, weil es ein zusätzliches Angebot im Auftrag der Stadt Wien ist. Ich sehe da aber einen starken Zusammenhang und auch einen Auftrag an die GB*.

Warum ist leistbarer Wohnraum gerade jetzt so wichtig?

TB: Leistbarer Wohnraum war immer schon wichtig, doch in Zeiten der wachsenden Stadt verursacht der Anstieg der Nachfrage auch Marktknappheit, die sich in einem Anstieg der Mieten ausdrückt. Die gesetzlichen Mietzinsobergrenzen wirken da zwar dämpfend, können aber auch nicht verhindern, dass es mittlerweile für nicht so finanzstarke MieterInnen schwer wird, eine geeignete Wohnung außerhalb des geförderten Sektors zu finden.

Na gut, aber wer zuzieht, muss sich eben mit den Verhältnissen abfinden …

SL: Die Situation trifft nicht nur neue StadtbewohnerInnen. Durch die großzügigen Möglichkeiten, Mietverträge zu befristen, können sich VermieterInnen aussuchen, ob sie den Vertrag verlängern oder sich neue MieterInnen suchen, die einen höheren Mietzins zahlen. Dazu braucht man sich nur anzuschauen, wie rasant die Lagezuschläge in manchen Teilen Wiens in den letzten Jahren gestiegen sind. In der Dianagasse im 3. Bezirk etwa ist der Lagezuschlag seit 2006 auf das 5-fache gestiegen und beträgt nun 3,34 pro m² und Monat. Und das zusätzlich zum Richtwert von 5,58!

Kann die Stadt da etwas dagegen tun?

JPS: Nicht direkt, weil die wohnrechtliche Gesetzgebung in der Kompetenz des Bundes liegt. Aber durch gezielten und verantwortungsvollen Einsatz der Wohnbauförderungsmittel ist es Wien gelungen, einen Markt für qualitätsvolles und dennoch leistbares Wohnen zu schaffen. Wer es sich leisten kann, kann ja trotzdem in die teure Privatwohnung ziehen oder eine frei finanzierte Eigentumswohnung kaufen.

MS: Genau, und um anderseits Ghettobildungen finanzschwächerer Menschen zu vermeiden, erscheint mir der nun etablierte Anteil von einem Drittel SMART-Wohnungen bei geförderten Projekten als Ergänzung zu den städtischen Wohnhausanlagen ein gelungener Ansatz.