Ideen gesucht!
Beteiligung maßgeschneidert

Der Johann-Strauss-Park in Neubau wird umgestaltet. Und alle können mitreden!
© GB*

Wird ein öffentlicher Platz neu gestaltet, können sich häufig auch ParknutzerInnen und AnrainerInnen beteiligen und im Vorfeld Ideen und Vorschläge einbringen.

Die Gebietsbetreuung Stadterneuerung begleitet viele solcher Partizipationsprozesse. Nur, wie geht das? Gibt es dafür einen standardisierten Ablauf, ein Rezept?

Da jeder Freiraum in ein einzigartiges Stadtgefüge eingebettet ist und unterschiedliche Funktionen erfüllt, gibt es kein Universalrezept. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Ort, seiner Umgebung und seinen NutzerInnen ist wesentlich, um das passende Beteiligungsformat zu entwickeln.

Dementsprechend vielfältig gestalten sich die Beteiligungssprojekte, die von den Gebietsbetreuungen Stadterneuerung begleitet und umgesetzt werden.

Beispiel 1: Der urbane Platz

Der Johann-Nepomuk-Berger-Platz in Ottakring ist Verkehrsknotenpunkt und Ort des Transits. Ein anonymer Freiraum mit wenig „Stammpublikum“, an dem man vorbei geht und mit dem sich kaum jemand identifiziert.

Für die geplante Neugestaltung der Grünfläche, die im Frühling/Sommer 2017 mit einem Beteiligungsprozess startete, wurden AnrainerInnen und ParknutzerInnen befragt.

Zu Beginn initiierte die Gebietsbetreuung Stadterneuerung einen „Schilderwald" vor Ort, der dem relativ unpopulären Platz für kurze Zeit erhöhte Aufmerksamkeit bescherte. Die im Park verteilten bunten, selbstgebastelten Schilder kommunizierten Botschaften, stellten Fragen und informierten zur geplanten Neugestaltung. So wurden Menschen zum Mitmachen animiert und konnten sich in Sprechstunden im Café und in Parkgesprächen am Platz informieren.

Beteiligung vor Ort

Zentrale Elemente solcher Beteiligungsprojekte sind die direkte Ansprache vor Ort, die durch unterschiedliche Aktivitäten gewährleistet ist:

  • z.B. durch spontane Interviews,
  • teilnehmende Beobachtung,
  • Information und Gespräche mit Gewerbetreibenden und AnrainerInnen
  • und moderierte Parkgespräche zu unterschiedlichen Themen.

Um möglichst vielfältige Meinungen und Stimmen zum Platz einzufangen, wurde verstärkt versucht, Kontakt mit schwer erreichbaren Zielgruppen (Personen mit Migrationshintergrund, Jugendliche, junge Frauen und Mädchen) aufzunehmen.

Im Projektblog "Platz gestalten" wurden alle Aktivitäten dokumentiert, über eine E-Mail-Adresse konnten Ideen digital übermittelt werden.

Der gesamte Prozess war offen gestaltet. Mit dem Ziel, Aushandlungsprozesse unter NutzerInnen zu fördern und Ideen für die spätere Neugestaltung zu sammeln.

Mit dem Ergebnis, dass viele Anregungen bei der aktuell laufenden Planung berücksichtigt werden können.

Beispiel 2: Der Park

Der Johann-Strauss-Park in Neubau wird umgestaltet. Und alle können mitreden!
Der Johann-Strauss-Park in Neubau wird umgestaltet. Und alle können mitreden! (© GB*)

Der Josef-Strauß-Park im 7. Bezirk - im Volksmund auch Kaiserpark genannt - ist das Gegenbeispiel zum Johann-Nepomuk-Berger-Platz in Ottakring: Der Park liegt geschützt und eingebettet zwischen den Häuserblocks und ist für die AnrainerInnen die wichtigste Grünfläche im dicht verbauten Stadtviertel.

Der beliebte Erholungsraum bietet zahlreiche Spiel- und Sportmöglichkeiten. Aufgebrochene Oberflächen, fehlende Pflasterungen und eine unzureichende Beleuchtung waren Anlass, den Park umfassend zu erneuern. Auch hier wurden die NutzerInnen des Parks in die Umgestaltung miteinbezogen.

In Workshops wird gemeinsam diskutiert und es werden Pläne für den neuen Park geschmiedet.
In Workshops wird gemeinsam diskutiert und es werden Pläne für den neuen Park geschmiedet. (© GB*)

Gezielte Ansprache wichtiger Gruppen

Für die Neugestaltung wurde allem jene Gruppe aktiviert, die den Park am intensivsten nutzt: Jugendliche.

SchülerInnen aus den umliegenden Schulen konnten in mehreren Workshops ihre Wünsche und Ideen einbringen. Im Zentrum stand das „Salettl“, ein für Jugendliche wichtiger Aufenthaltsort in der Mitte des Parks. Gemeinsam mit den Jugendlichen wurde dessen Form und Funktion entwickelt und anschließend von einem Planungsbüro in einen realisierbaren Entwurf übersetzt.

Auch mit den AnrainerInnen wurden vor Ort zahlreiche Gespräche geführt. In diesen zeigte sich der Wunsch nach einem offenen Gemeinschaftsgarten. Dieser wird demnächst im Zuge der Neugestaltung errichtet.

Beispiel 3: Die Straße

Der AnrainerInnen-Beirat tagt
Diskussion, Kompromiss, Mitbestimmung - Beteiligungsprozess Neulerchenfelder Straße. (© GB*)

Ein neues Gesicht soll in den kommenden Jahren auch die Neulerchenfelder Straße in Ottakring bekommen - eine von Autos und Straßenbahn geprägte, in die Jahre gekommene Geschäftsstraße zwischen Gürtel und Johann-Nepomuk-Berger-Platz. 

ArainerInnen diskutieren mit politischen VertreterInnen und ExpertInnen

Mittels Postwurfsendung wurden alle Haushalte entlang der Straße informiert und eingeladen, sich an der Neugestaltung zu beteiligen. Wer Interesse hatte, meldete sich und schließlich fand sich eine Gruppe von 80 Personen zusammen, von denen sich zwölf Personen bereit erklärten, einen AnrainerInnenbeirat aus BewohnerInnen und Geschäftsleuten zu bilden.

Der AnrainerInnenbeirat diskutierte im Laufe der Beteiligung mit VertreterInnen des Bezirks, Dienststellen der Stadt Wien (MA 46, MA 28, MA 19, MA 22), Wiener Linien und der Gebietsbetreuung Stadterneuerung über Themen wie Verkehr, Gestaltung oder grüne Infrastruktur. Die Ergebnisse aus diesen Workshops wiederum wurden in Großveranstaltungen breiter diskutiert.

Neben den AnrainerInnen-Treffen zum Gestaltungsentwurf organisierte das GB*-Team Workshops mit AnrainerInnen und ExpertInnen zu Themen wie Fassadenbegrünung, Gestaltung der Straße und Erinnerungskultur.

In den nächsten Jahren wird die Neulerchenfelder Straße in drei Etappen neu gestaltet und die gemeinsam erarbeiteten Gestaltungsmaßnahmen werden umgesetzt.

Die Gebietsbetreuung Stadterneuerung begleitet den Beteiligungsprozesses weiterhin, moderiert Prozesse, informiert die Menschen vor Ort und vermittelt zwischen Dienststellen, der Bezirksvorstehung und den AnrainerInnen.

Beispiel 4: Der Garten

Haus Liebhartstal, Ottakring: Gemeinsam wird ein attraktiver Freiraum gestaltet, der bei den BewohnerInnen und AnrainerInnen gleichermaßen hohe Akzeptanz findet.
Gemeinsam entstehen neue Möbel, die von allen genutzt werden können. (© GB*)

Eine ganz andere Art Freiraum ist jener rund um das Haus Liebhartstal. Das ehemalige PensionistInnenheim steht geflüchteten Menschen als Wohnraum zur Verfügung. Die großzügigen Grünflächen um das Haus sind eine Mischung aus romantischer Gartenanlage und ungenutztem Abstandsgrün der Nachkriegsmoderne.

Dieses Potential wurde genutzt, um einen attraktiven Freiraum zu gestalten, der bei den BewohnerInnen und AnrainerInnen gleichermaßen hohe Akzeptanz findet.

Miteinander Raum schaffen für gemeinsame Aktivitäten

In Workshops mit BewohnerInnen und Studierenden der Universität für Bodenkultur Wien entstanden zahlreiche Ideen und Vorschläge für eine bessere Nutzung des Freiraums. BewohnerInnen und BetreuerInnen des Hauses einigten sich auf ein Volleyballfeld mit Netzstehern und mobiles Sitz- und Liegemobiliar für ZuschauerInnen. Für die HausbewohnerInnen, egal ob alt oder jung, Frauen oder Männer, war schon im Vorjahr ein improvisiertes Volleyballfeld zentraler Treffpunkt im Garten, jedoch fehlten adäquate Sitzmöglichkeiten.

Die Möbel wurden von den Studierenden fertig geplant, die Firma Doka sponserte das Material. Schließlich wurde alles gemeinsam aufgebaut und mit einem Fest eingeweiht.

So unterschiedlich Voraussetzungen, Formate, Dialoggruppen und Umsetzungsdimensionen auch sind: Veränderungen vor der eigenen Haustüre gehen alle etwas an und interessieren viele Menschen, oft auch auf einer persönlichen und emotionalen Ebene.