Gestatten, Kathrin Gaál
Wohnbau- und Frauenstadträtin

In unserer Reihe "Gestatten, GB*" blicken wir hinter die Kulissen unserer Arbeit im Dienste der Wiener Stadterneuerung und freuen uns, Ihnen Kathrin Gaál, Stadträtin für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen vorzustellen.

Kathrin Gaál ist seit 2018 Mitglied der Wiener Stadtregierung und als Wohnbaustadträtin auch Leiterin des Ressorts, dem die Gebietsbetreuungen Stadterneuerung als Servicestelle der Stadt Wien zugeordnet sind. 

Wir haben Frau Gaál auf einem Spaziergang zu BewohnerInnen-Initiativen im 2. Bezirk begleitet und die Gelegenheit zu einem Gespräch genutzt.


Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen – ihr Aufgabenbereich ist sehr vielfältig. Wo sehen Sie die Verbindung, wo setzen Sie Schwerpunkte?

Frauenpolitik betrifft alle Bereiche der Stadt, natürlich auch das Wohnen. Die Sicherheit im Wohnumfeld ist zum Beispiel ein großes Thema für Frauen. Ich denke außerdem an Fragen der Barrierefreiheit. Sie ist sehr wichtig für Mütter bzw. Eltern mit Kinderwägen.

Überhaupt möchte ich alles, was Frauen den Alltag erleichtert, fördern. Ein Beispiel: In der Meidlinger Wolfganggasse haben wir ein Wohnprojekt mit einem Stockwerk speziell für Alleinerziehende auf den Weg gebracht. Neben einem Gemeinschaftsraum wird es auch einen Verein vor Ort geben.

Weitere Schwerpunkte, die Frauen genauso wie Männer betreffen, sind leistbares Wohnen durch verstärkten geförderten Neubau, Sanierungen inklusive Grätzelinitiativen und MieterInnenschutz.

Schutz der Mieterinnen und Mieter ist ein klares Bekenntnis der Wiener Wohnbaupolitik. Wie kann dieser Schutz in Zeiten sich verändernder Marktbedingungen weiterhin gewährleistet werden/bleiben?

Indem man ihn zur Priorität erklärt. Unsere neue Wiener Bauordnung wird Spekulation und damit auch mieterInnenfeindliches Verhalten erschweren. Außerdem ist die Bundesregierung gefordert, nach Jahren der Verzögerung ein neues faires Mietrecht auf Schiene zu bringen. Das Zuschlagssystem muss für Mieterinnen und Mieter transparent werden.

Gleichzeitig bieten wir in Wien Servicestellen und -werkzeuge an, wie die kürzlich präsentierte neue Lagezuschlagskarte. Mit der Wiener Mieterhilfe, der Schlichtungsstelle und den Gebietsbetreuungen Stadterneuerung sind wir in Sachen MieterInnenschutz sehr gut aufgestellt. Und: Online-Angebote wie der Mieten- oder Betriebskostenrechner werden immer wichtiger. Hier heißt es am Puls der Zeit bleiben. Das werden wir.

Eine wichtige Aufgabe der GB* ist es, Bewohnerinnen und Bewohner zu motivieren, sich „im Kleinen“, auf lokaler Ebene einzubringen und z.B. das Wohnumfeld mitzugestalten. Welche Initiativen wünschen Sie sich für Wien, was stärkt ein gutes Miteinander?

"Garteln ums Eck" ermöglich und motiviert Menschen im Stadtteil, kleine Flächen im Stadtraum zu begrünen. Frau Gaál informiert sich bei einem Rundgang vor Ort über die vielen blühenden Gartel-Initiativen. (© PID)


Mitmachmöglichkeiten im Grätzel sind ein ganz großes Thema. Die Gebietsbetreuungen Stadterneuerungen bieten ja bereits eine breite Palette an. Ich denke etwa ans Garteln ums Eck, das sich rasch zur Erfolgsgeschichte entwickelt hat.

Auch das Angebot, sich bei Neu- und Umgestaltungen des öffentlichen Raums einzubringen, erfährt mehr und mehr Resonanz. Schöne aktuelle Beispiele sind der Johann-Nepomuk-Berger-Platz in Ottakring oder der Forschneritschpark im 15. Bezirk.

Zusätzlicher Effekt: Wer etwas selbst mitgestaltet hat, passt auch besser darauf auf.

Für die Zukunft kann ich mir beispielsweise einen Ausbau von Grätzelkultur-Initiativen gut vorstellen.

Ihr Heimatbezirk ist Favoriten, Wiens bevölkerungsreichster Bezirk, der sich dynamisch entwickelt und verändert. Wo sehen Sie die Qualitäten von Favoriten, wo gibt es aus Perspektive der Stadterneuerung Entwicklungschancen?

Favoriten hat alles: Gründerzeitviertel, Stadtentwicklungsgebiete, Kultur in der Ankerbrotfabrik, Grünoasen wie den Kurpark Oberlaa, den Wienerberg oder den Böhmischen Prater, sogar Heurige und eine Bevölkerung, die den Bezirk lebendig macht. Das alles gilt es zu bewahren bzw. weiterzuentwickeln.

Stadterneuerung ist im 10. Bezirk ein ganz großes Thema. Wichtig ist mir, dass die Bevölkerung eingebunden wird. Hier spielt die Gebietsbetreuung Stadterneuerung mit ihren Angeboten - unter anderem mit dem Stadtteilmanagement Sonnwendviertel - eine wesentliche Rolle. Im Kretaviertel möchten wir als neuen, nachhaltigen Ansatz begrünte Fassaden forcieren.

Zur Lebensrealität vieler Frauen zählt, Arbeit und Familie bzw. Freizeit „gut“ unter einen Hut zu bekommen. Wie schaffen Sie das in Ihrer anspruchsvollen Position als Frauen- und Wohnbaustadträtin?

Selbst wenn wir es in Wien geschafft haben, umfassende Kinderbetreuungsangebote zur Verfügung zu stellen, ist es Tatsache, dass viele Frauen Probleme mit der Vereinbarkeit haben. Ich befürchte, dass der 12 Stunden-Arbeitstag bzw. die 60 Stunden-Woche das verstärken werden, Frauen in die Teilzeit treiben oder sie überhaupt ihren Arbeitsplatz aufgeben. Einfach hinnehmen werde ich das natürlich nicht!

Als Stadträtin bin ich im Vergleich mit den meisten anderen Wienerinnen in einer privilegierten Position. Selbstverständlich versuche auch ich so viel Zeit wie möglich mit der Familie zu verbringen. Vokabel Lernen mit meiner Tochter gehört genauso dazu wie der eine oder andere gemeinsame Ausflug am Wochenende.

 

Ihr Geheimtipp für Favoriten?
 

Nicht ganz so geheim: Als Fan der Wiener Austria das neue Stadion!

Das Fußballstadion des FK Austria Wien liegt am Favoritner Laaer Berg und wurde von 2016 bis 2018 renoviert, umgebaut und am 13. Juli 2018 wieder eröffnet. 

© PID /Bohmann