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Sanfte Stadterneuerung

Seit es Städte gibt, werden diese ständig umgebaut. Jede Epoche weckt neue Bedürfnisse und die Menschen versuchen, ihre Städte diesen Erfordernissen anzupassen, wobei ein wesentlicher Faktor die ständige Erneuerung des Bestandes ist. Diese Veränderungen sind vor allem durch funktionelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umstände hervorgerufen und für ein lebendiges Stadtgefüge unabdingbar. So gesehen, ist die Stadterneuerung als normaler Vorgang der Stadtentwicklung anzusehen.

Schlechte Wohnverhältnisse in Gründerzeitvierteln

Mitte der 1970er-Jahre zählte Wien rund 300.000 Substandardwohnungen. Das bedeutete nicht weniger, als dass ein Drittel der Bevölkerung ohne eigenes Bad und WC und vielfach auch in ungesunden, weil dunklen und feuchten Räumen, lebte. Ganze Stadtteile waren damals mehr oder weniger dem „Niedergang“ geweiht, zumal viele gründerzeitliche Mietshäuser seit ihrer Errichtung keine Investitionen erfuhren. Dazu kam die enorme Dichte dieser Viertel mit einer Überbauung von bis zu 85 Prozent der Grundfläche für Grün-, Spiel- und Erholungsflächen war da kein Platz mehr. Zusätzlich gab es durch die Verschiebung von Größe und Struktur der Bevölkerung einen starken Druck auf den Wohnungsmarkt.

Abriss als Lösung?

Mit dem Bundesgesetz betreffend Assanierung von Wohngebieten erhielten Österreichs Länder und Gemeinden 1974 ein lang ersehntes Rechtsmittel zur Behebung städtebaulicher Missstände. Oft seit Jahrzehnten verfallende Althäuser hätten nun durch Absiedelung der ansässigen Bevölkerung sowie flächendeckenden Abbruch und Neubau - notfalls nach vorangegangener Enteignung - „saniert“ werden können.

Eine engagierte Gruppe aus PlanungsbeamtInnen, ArchitektInnen, SoziologInnen, KünstlerInnen und KommunalpolitikerInnen suchte deshalb eine Alternative zu dieser radikalen Form der Erneuerung von Wohngebieten, welche keine Rücksicht auf die Bedürfnisse der dort lebenden Bevölkerung nahm und forderte in einem 12-Punkte-Programm für Ottakring eine Umkehr in der Sanierungspolitik - weg vom großflächigen Abriss desolater Viertel und hin zur Aufwertung historischer Bausubstanzen durch eine sanfte Erneuerung.

Die Sanfte Stadterneuerung

Die Stadt Wien wählte den Weg der „sanften, bewohnerInnenorientierten Stadterneuerung“. Sanierungsbedürftige Viertel und Häuser aus der Gründerzeit, welche bestimmend für das Antlitz weiter Teile von Wien waren, wurden und werden behutsam erneuert. Die meisten der Gründerzeithäuser haben aufgrund ihrer Lage beträchtliche Standortvorteile. Eine gute Anlage und Erschließung durch öffentlichen Verkehr, Nahversorgung, eine ausgebaute technische und soziale Infrastruktur sowie eine kleinräumige Durchmischung mit Arbeitsstätten sind wesentliche Elemente ihrer Wohnqualität. Zudem wurden und werden durch gezielte Wohnungsneubauten alte Stadtteile bereichert.

Ziel war und ist es, die BewohnerInnen nicht aus ihren Vierteln zu verdrängen, sondern ihre Wohn- und Lebensbedingungen - unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse - entsprechend zu verbessern.

Die Entstehung der Gebietsbetreuung

Als Grundlage für alle weiteren Entwicklungen, war daher zunächst Vorsorge dafür zu treffen, dass der Dialog zwischen Bevölkerung, PolitikerInnen und Verwaltung als ständige Einrichtung institutionalisiert wurde. Sämtliche Interessen und Interessensgegensätze sollten sichtbar gemacht werden, um adäquate Lösungen zu erarbeiten und durch fachlich fundierte Beratungen vorhandene Probleme beheben zu können. Eine solche integrierte Vorgangsweise war in der arbeitsteiligen Organisation einer großen Verwaltung - wie es der Magistrat der Stadt Wien darstellte - nur schwer unterzubringen. Deshalb wurde 1974 in einem relativ kleinen Teilgebiet in Ottakring ein Pilotmodell installiert, welches als „Geburtsstunde“ für die Wiener Gebietsbetreuungen für den Bereich der Stadterneuerung anzusehen ist.

In den darauffolgenden Jahren wurde die Gebietsbetreuung als bürgernahe Einrichtung laufend den neuen Anforderungen, Bedürfnissen und Aufgaben entsprechend weiterentwickelt und ausgebaut. Zuletzt erfolgte dies im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung, wo unter Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, praktischer Erfahrungen und Entwicklungen die aktuellen Schwerpunktgebiete für die Gebietsbetreuungen im Bereich der Stadterneuerung festgelegt wurden.

MA25 der Stadt Wien - Um Häuser besserWien. Unser Zuhause.

Die Wiener Gebietsbetreuungen sind der Geschäftsgruppe Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung zugeordnet und werden im Auftrag der Magistratsabteilung 25 von privaten Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern geführt.