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Interview "Stadtteilmanagement"


Am 16. Februar 2012 präsentiert Wohnbaustadtrat Michael Ludwig den neuen GB*-Schwerpunkt „Stadtteilmanagement in Neubaugebieten“. Was ist darunter zu verstehen?

Elke Eckerstorfer (GB*10): In den letzten Jahren sind in Wien an den Grenzen der Gründerzeitviertel, auf ehemaligen Bahnhöfen oder Gewerbeflächen große neue Wohnquartiere entstanden. Durch die Installierung eines Stadtteilmanagements kann ein wesentlicher Beitrag zu einer gemeinsamen Entwicklung von Bestand und Neubau geleistet werden.

Worin besteht der Unterschied zwischen „klassischer“ GB*-Stadtteilarbeit und Stadtteilmanagement?

E. Eckerstorfer: Klassische Stadtteilarbeit fokussiert auf Gründerzeitviertel und die Sanierung von Altbauten - als Unterstützung für HauseigentümerInnen und MieterInnen. Die Bereiche Freiraum, Wirtschaft, Verkehr und Kultur werden ebenfalls berücksichtigt, weil sie für die Stadtteilentwicklung von großer Bedeutung sind.

Stadtteilmanagement bezieht sich ganz konkret auf die unterstützende Entwicklung von Neubaugebieten im Kontext mit Gründerzeitvierteln. Die Schnittstellen der Gebiete spielen dabei eine große Rolle, durch die Kommunikation, Vermittlung und Vernetzung aller AkteurInnen soll das soziale Zusammenleben der Bewohner unterstützt werden.

Vernetzung ist somit eine der wichtigsten Aufgaben von Stadtteilmanagement?

Andrea Mann (GB*2/20 ): Ja. „StadtteilmanagerInnen“ vernetzen zwischen Behörden, Politik, Planung und jenen Menschen, die in den neuen und angrenzenden alten Stadtteilen wohnen oder arbeiten.

E. Eckerstorfer:  Kommunikation und Vernetzung der Akteurinnen und Akteure auf den unterschiedlichsten Ebenen ist eine Grundvoraussetzung. Gleichzeitig ist aber auch die Kenntnis von städtebaulichen, baurechtlichen und historischen Zusammenhängen von großer Bedeutung.

Welche Methoden und Ansätze kommen beim Stadtteilmanagement zur Anwendung?

Andrea Breitfuss (GB*3/11): Wichtig beim Stadtteilmanagement ist, dass die Arbeit zum jeweiligen Gebiet passt und den dort vorhandenen Herausforderungen entspricht. Am Beginn stehen meist Analysen und die Entwicklung eines passenden Konzepts. Das geschieht in Kooperation mit allen, die an der Entwicklung des Gebietes beteiligt sind und dieses gut kennen: Mit Bauträgern, der Bezirksvorstehung, sozialen Institutionen, Interessensvertretungen, dem wohnfonds_wien und den zuständigen Magistratsabteilungen.


Im Rahmen des Stadtteilmanagements laden wir zu sogenannten „ExpertInnenforen“ ein, in denen die laufenden Projekte besprochen und aufeinander abgestimmt werden. Die Teilnehmenden können hier ihre Interessen und fachlichen Sichtweisen einbringen. Aber auch die BewohnerInnen und lokalen Gewerbetreibenden werden vom Stadtteilmanagement über die geplanten Veränderungen im Gebiet informiert und nach ihrer Meinung und ihren Ideen gefragt. Diese werden dann wieder in die Abstimmungsrunden mit den FachexpertInnen eingebracht.

Menschen wollen sich einbringen und an Entscheidungsprozessen teilhaben – das gilt auch oder gerade für Entwicklungen im unmittelbaren Wohnumfeld. Welchen Beitrag kann Stadtteilmanagement im Bereich Partizipation leisten?

E. Eckerstorfer: Am besten ist es, die Einbindung der Bevölkerung von Planungsbeginn an zu fördern.

A. Breitfuss: Im Rahmen von Stadtteilmanagements werden die Menschen umfassend informiert und zur Teilnahme motiviert. Etwa über vielfältige Aktionen wie Presseberichte in Bezirksmedien, „StadtteilmanagerInnen unterwegs“ - die die Menschen auf der Straße und bei Festen ansprechen, informieren und befragen, Feste und Veranstaltungen oder Newsletter und Online-Informationen auf der GB*-Website.

 
A. Mann:
Unser Stadtteilmanagement am Nordbahnhof bietet eine Plattform, wo sich die Menschen aktiv an der Entwicklung Ihres Stadtteils einbringen und beteiligen können. Wir unterstützen die Bevölkerung bei der Umsetzung von Ideen zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität in ihrem Stadtteil.

Stadtteilmanagement kann als Instrument einer nachhaltigen Stadtentwicklung bereits im Vorfeld von Bauträgerwettbewerben sowie in der Planungs- oder Bauphase wichtige Impulse setzen. Welche sind das?

A. Breitfuss: Die Stadtteilmanagements kennen ihre Gebiete sehr gut und über lange Zeiträume. Sie haben durch Analysen und die Kontakte zur Bevölkerung und zu den im Gebiet tätigen Bauträgern und Institutionen einen umfassenden Blick auf die Gebiete und ihr Umfeld. Dieses Wissen kann dem wohnfonds_wien für die Ausschreibung der Bauträgerwettbewerbe zur Verfügung gestellt werden, denn der geförderte Wiener Wohnungsbau ist ein zentraler Akteur der Stadtteilentwicklung.

In der Planungs- und Bauphase kann das Stadtteilmanagement die Bauträger miteinander und mit lokalen ExpertInnen und Institutionen zusammenbringen und etwa die Abstimmung der Nutzung der Erdgeschosszonen unterstützen. Das Stadtteilmanagement dient auch als Anlaufstelle für BewohnerInnen und Menschen, die in das Gebiet ziehen möchten und sich für das Umfeld und seine Angebote interessieren.

Fortsetzung Interview

Stadtteilmanagement

Stadtteilmanagement ist ein international anerkannter Ansatz, der es erlaubt, mit verhältnismäßig geringen Mitteln große Wirkungen zu erzielen. Mehr lesen »

MA25 der Stadt Wien - Um Häuser besserWien. Unser Zuhause.

Die Wiener Gebietsbetreuungen sind der Geschäftsgruppe Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung zugeordnet und werden im Auftrag der Magistratsabteilung 25 von privaten Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern geführt.