Springe zu

Farben ändern

Standard FarbschemaBlaue Schrift auf weißem HintergrundWeiße Schrift auf blauem HintergrundGelbe Schrift auf schwarzem Hintergrund

 

Eine kleine Zeitreise

Das Wiener Zinshaus als Spekulationsobjekt

1986 war in Wien das Altzinshaus gerade als viel versprechende Investitionsmöglichkeit entdeckt worden. Davor war der Althausmarkt lange Zeit für Investoren unattraktiv. Die geopolitische Randlage Wiens, triste Gründerzeitviertel, das Angebot an besser ausgestatteten städtischen und gemeinnützigen Wohnungen und nicht zuletzt der sprichwörtliche MieterInnenschutz ließen keine kurzfristigen Gewinnerwartungen zu.

Die Aufbruchstimmung und der Althausboom entstanden mit den Beitrittsbestrebungen zur EU, dem Start der Diskussion um die Ausrichtung einer Weltausstellung und der beginnenden Ostöffnung. Zusätzlichen Antrieb lieferten weitgehende Liberalisierungserwartungen für das Mietrecht. Im selben Jahr wurde die Mobile Gebietsbetreuung (GB*mobil) als Sonderform der Gebietsbetreuung Stadterneuerung zur Bekämpfung von Absiedlungsspekulationen gegründet.

Zu Beginn des Jahres 1986 fiel die fixe Mietzinsbegrenzung für Wohnungen der Kategorie A, bei Neuvermietung konnte nun eine angemessene ortsübliche Miete vereinbart werden.Gleichzeitig war auch die großzügige Förderung der Althaussanierung und Wohnungsverbesserung nach dem Wohnhaussanierungsgesetz (WSG 84) und der Wiener Durchführungsverordnung angelaufen.Die Althausverwertung kam in Schwung, innerhalb kurzer Zeit wurden viele BewohnerInnen durch aggressive Althausverwertungsunternehmen und Einzelspekulanten unter massiven Absiedlungsdruck gesetzt.

Fallbeispiele Absiedlungsspezialisten

Die den damaligen Teppichland-Eignern gehörende „Althausverwertungsges.m.b.H.“ betrieb zu jener Zeit in rund 30 Häusern Absiedlung mit der Ankündigung des bevorstehenden Abbruchs. Anschließend wurden die „frei“ gemachten Wohnungen ohne grundlegende Sanierung als Eigentumswohnungen verkauft. Der Verwalter H.Tuma der auch selbst viele Häuser erworben hatte, entdeckte den „Interessensbescheid“ als Kündigungsgrund und setzte ihn erfolgreich als Druckmittel in Absiedlungsverhandlungen ein. Im spektakulären Einzelfall der Lichtenauergasse 7 im 2.Bezirk hatte der Eigentümer eine Motorradrockergruppe einquartiert und tagelange Feste für Unterstandslose veranstaltet. Wasser- und Stromleitungen wurden demoliert, im Winter die Fenster offen gehalten und alle behördlichen Aufträge ignoriert.

Der steirische Industrielle Mayr-Melnhof hatte seit Ende 1985 in Wien 23 Althäuser erworben. Auf die MieterInnen wurde ein berüchtigter Absiedlungsspezialist aus Graz angesetzt. Gruppen von fünf bis neun Personen führten nächtliche Wohnungsbegehungen durch, kündigten enorme Mietzinserhöhungen an und bestritten die Gültigkeit von Mietverträgen. In allen Häusern wurde die Mietzinsannahme verweigert. In der Folge kam es zu zahlreichen ungerechtfertigten Kündigungen. Diese Vorfälle fanden entsprechende Resonanz in den Medien.Zahlreiche MieterInnenbeschwerden machten deutlich, dass unseriöse Absiedlungsversuche nicht nur Einzelfälle betraf, sondern die symptomatische Folge neu entdeckter Verwertungsmöglichkeiten waren.

Gründung der GB*mobil

MA25 der Stadt Wien - Um Häuser besserWien. Unser Zuhause.

Die Wiener Gebietsbetreuungen sind der Geschäftsgruppe Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung zugeordnet und werden im Auftrag der Magistratsabteilung 25 von privaten Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern geführt.