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Eine kleine Zeitreise

Die Gründung der Mobilen Gebietsbetreuung

Vor dem Hintergrund der beschreibenen Situation wurde im Juli 1986 zunächst beim Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds (WBSF, jetzt: wohnfonds_wien) die „Kummernummer gegen unredliche Absiedlung“ als Anlaufstelle für betroffene BewohnerInnen eingerichtet.

Als sich herausstellte, dass bestehende Kapazitäten und Möglichkeiten innerhalb der Magistratsbehörden, der GB* und den Mieterorganisationen nicht ausreichten, folgte im Herbst 1986 auf Initiative von August Fröhlich, einem Mitbegründer der "Sanften Stadterneuerung“, die Gründung der „Mobilen Gebietsbetreuung“.

Neue Servicestelle: Mobile Gebietsbetreuung

Der spezielle Aufgabenbereich der neu gegründeten Servicestelle lag in der Unterstützung von BewohnerInnen gegen unseriöse Absiedlungsversuche und in der Bekämpfung von Absiedlungsspekulation. Das Team setzte sich aus erfahrenen GebietsbetreuerInnen und MietrechtsexpertInnen zusammen, die betroffene Personen quasi als „Absiedlungsfeuerwehr“- bei Bedarf auch vor Ort in den Häusern und Wohnungen - mit Rat und Tat zur Seite standen.

Mit dem offiziellen Start ab 1. Oktober 1986 wurde zugleich die Betreuung von BewohnerInnen aus 36 auffälligen Absiedlungshäusern übernommen. In der Folge
wurden für jedes dieser Häuser Hausversammlungen abgehalten, um möglichst viele BewohnerInnen mit Informationen zu versorgen und die konkrete Problemlage zu erheben.

Am 15. Oktober 1986 wurden die KontaktmieterInnen
aus den bekannten Spekulationshäusern zu einem gemeinsamen Treffen zusammengebracht. Im Fall der Mayr-Melnhof-Häuser hatte sich bereits eine
MieterInnen-Initiative gegen Sanierungspekulation (MISSPEK) gebildet, die von der Mobilen Gebietsbetreuung mit mietrechtlichem, bautechnischem, und organisatorischem Know-how unterstützt wurde.

GB*mobil in Aktion

In gemeinsamen Aktionen und Pressekonferenzen wurden die gängigen
Absiedlungsmethoden und deren Verantwortlichen an die Öffentlichkeit gebracht. So konnte erreicht werden, dass der aggressive Absiedlungsspezialist
abgezogen und Mietzinse wieder vorgeschrieben und angenommen wurden. Der Großteil der Kündigungsverfahren wurde eingestellt.

Die Causa „Lichtenauergasse 7“ hingegen erforderte eine jahrelange Betreuung. Der Eigentümer G. Traar ließ zum Beispiel in den Gang-Toiletten die Sitzmuscheln entfernen und ersetzte sie durch exotische „Hocktoiletten“. 1989 wurde das Haus nach neun Monaten Unterbrechung der Wasserleitungen gemeinsam mit der MieterInneninitiative MISSPEK in einer medienwirsamen Aktion mit einer Wasserkübelkette, an der die beiden damals amtierenden Stadträte Rudolf Edlinger und Dr. Hannes Swoboda teilnahmen, versorgt.

Schutzwürdige Interessen der MieterInnen

Von Beginn an wurde versucht, Absiedlungsinstrumente mit Grundlagenarbeit zu entschärfen – wie etwa beim „Interessensbescheid“, der einen gesetzlichen Kündigungsgrund gemäß § 30 Abs. 2 Z. 15 MRG darstellt und damals vom Magistrat anhand von bloßen Formalkriterien ausgestellt worden war.

Zunächst konnte in ständigem Kontakt mit dem WBSF ein Förderungsausschluss bei spekulativer Anwendung des Interessenbescheides bewirkt werden. Nach Gesprächen mit den zuständigen Magistratsstellen und der zuständigen Stadträtin Friederike Seidl wurden ab 1987 die Bescheide restriktiver ausgestellt.

Seither wird die Antragsentwicklung stets im Auge behalten. Durch beharrliche Lobbyarbeit konnte bewirkt werden, dass seit der Wohnrechtsnovelle 1991 nun auch die schutzwürdigen Interessen der MieterInnen bei der Feststellung des öffentlichen Interesses an einem Umbau oder Abbruch zu berücksichtigen sind.

Eine kleine Zeitreise: Das Wiener Zinshaus als Spekulationsobjekt

MA25 der Stadt Wien - Um Häuser besserWien. Unser Zuhause.

Die Wiener Gebietsbetreuungen sind der Geschäftsgruppe Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung zugeordnet und werden im Auftrag der Magistratsabteilung 25 von privaten Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern geführt.