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Zukunft der Märkte

Märkte der Zukunft

In Wien gibt es zahlreiche große und kleine Märkte, die eine lange Tradition als wichtige Nahversorger haben und deshalb von großer Bedeutung für den Stadtteil sind. Diese Märkte übernehmen - neben dem Verkauf von Lebensmitteln - weitere, vielfältige Funktionen.

Ein Blogbeitrag von:

Das Einkaufsverhalten der StadtbewohnerInnen hat sich massiv verändert und das brachte auch viele Wiener Märkte in eine schwierige wirtschaftliche Situation. Bis heute befinden sich einige davon in einer Art "Dornröschenschlaf" und warten darauf, wieder "zum Leben erweckt" zu werden und sich als Nahversorger oder Treffpunkt im Grätzel zu etablieren.  Einigen Märkten ist dies bereits gelungen - durch spezielle Angebote, bauchliche Änderungen oder begleitende Aktivitäten wie z.B. ein Kunst- oder Kulturprogramm.

Die Gebietsbetreuungen Stadterneuerung unterstützen im Rahmen der Sanften Stadterneuerung die Entwicklung einer lokalen Wirtschaft aus mehreren Gründen. Unter anderem, weil so die Nahversorgung in der Wohnumgebung gesichert ist und ein Kommunikationsort im Grätzel bestehen bleibt. Ein wichtiger Faktor für ein gutes soziales Zusammenleben.

Was zeichnet einen funktionierenden Markt aus?

Ein funktionierender Markt ist so etwas wie die Bassena des 21. Jahrhunderts. Hier wird nicht nur eingekauft, hier trifft man sich, hier wird "getrascht" und diskutiert. Ein Wochenmarkt mit zusätzlichen Ständen und Waren kann zum beliebten Treffpunkt für die Nachbarschaft werden. Das Marktangebot ist meist eine Mischung aus regionalen Angeboten oder Spezialitäten sowie exotischen Produkten.

Märkte sind auch Orte migrantischer Ökonomie und erzeugen so eine spezielle Stimmung durch unbekannte Gerüche und Waren. Vom günstigen Angebot bis zu diversen Delikatessen, hier lässt sich allerhand finden!

Die Vielfalt und Offenheit zeigt sich auch in der baulichen Struktur von Märkten. KundInnen bewegen sich von einem Stand zum anderen - entlang einer "Markt"gasse, die gesäumt ist von Waren unter freiem Himmel. Ist der Markt Teil des täglichen Weges, ist unkompliziertes Einkaufen möglich.

Plätze zum Verweilen

Die Nahversorgungsfunktion wird ergänzt durch gastronomische oder kulturelle Angebote. Der Freiraum ist wichtiger Bestandteil des Marktes und kann, wenn er sich zum umliegenden Stadtteil hin öffnet, vielfältig genutzt werden.

Treffpunkt Vorgartenmarkt

Der Vorgartenmarkt ist ein gutes Bespiel dafür, wie ein Markt wieder belebt werden kann - z.B. durch die Erweiterung des Angebots vor Ort und eine baulich-räumliche Veränderung.

Viele der in Reihen angeordneten Stände standen lange Zeit leer. Die noch geöffneten Geschäfte und Lokale waren eher schlecht besucht.

  • Durch die Anmietung eines Marktstandes für kulturelle Aktivitäten und die Bespielung durch unterschiedliche KünstlerInnen rückte der Vorgartenmarkt wieder in das Bewusstsein der BewohnerInnen.
  • Mit dem Abriss von drei Markständen entlang der Ennsgasse wurde der Markt nach außen hin geöffnet.
  • In der Marktmitte wurde ein Platz geschaffen, der durch zusätzliche Möblierung als Freiraum genutzt wird. Dieses Tor lenkt auch den Blick auf dahinter liegende Stände.
  • Durch einen Schanigarten ist dieser Bereich nun wieder belebt.
  • Am Wochenende werden an zusätzlichen Ständen regionale Waren angeboten.

Ganz schön engagiert!
BewohnerInneninitiative am Volkertmarkt

Auch der Volkertmarkt bekam einen Anstoß von außen. Der bewohnerInnen-initiierte „Themenmarkt“ erweitert das Lebensmittel- und Gastroangebot um einen monatlich stattfindenden Flohmarkt, der zusätzlich Interessierte anlockt und Markt und Stadtteil bekannter macht.

Mehr dazu lesen Sie in diesem Interview!

Der Marktplatz
Weiterentwicklung bestehender Typologien

"Sind monofunktionale, eingeschossige Marktgebäude noch zeitgemäß in einer wachsenden Stadt"? Diese Frage war der Ausgangspunkt einer umfassenden Auseinandersetzung mit Märkten des Teams der GB*2/20.

Hinsichtlich heutiger Bodenpreise und steigendem Nutzungsdruck auf innerstädtische Flächen scheint eine „funktionale Nachverdichtung“ oder ein erweitertes Raumprogramm im Marktbereich sinnvoll.
Die Marktflächen  könnten so auch außerhalb der Öffnungszeiten der Markstände genutzt werden.

Um auf solche geänderten Anforderungen zu reagieren und Märkte weiter zu entwickeln, ist mitunter auch eine bauliche Adaption notwendig.

Einzelne Stände

Eine Alternative sind einzelne Stände - also von einander räumliche getrennte Gebäude, die mehr oder weniger dicht angeordnet sind.

Für die Aufenthaltsqualität und die Nutzungsmöglichkeiten ist die Breite der Gebäudeabstände entscheidend. Ungehindertes Flanieren und Einkaufen sollte möglich sein. Genauso wie Platz zum Verweilen oder zur Nutzung für weitere Aktivitäten.

Flachdach

Ein Flachdach verbindet die Einzelstände: Der Wetterschutz bietet mehr Komfort und könnte auch zu einer verbesserten Kommunikation beitragen - durch die bessere Aufenthaltsqualität.
Das Flachdach könnte auch multifunktional genutzt werden. Indem es z.B. begehbar ist und als Schanigarten oder öffentlich nutzbarer Freiraum bzw. Erholungsraum genutzt werden kann.

Diese räumliche Erweiterung ermöglicht eine bessere Ausnutzung der Fläche, ohne dass der Marktcharakter, der durch die niedrige Bauweise entsteht, gänzlich verloren geht.

Markthalle

Das Konzept des eigenständigen Baukörpers, der den Rahmen vorgibt unter dem sich die einzelnen HändlerInnen versammeln, ist in Wien kaum noch vertreten.
Zu hinterfragen wäre, ob diese „Hülle“ ein gemauerter Baukörper sein muss, oder ob die Schutzfunktion auch durch eine offene Struktur gegeben sein kann.

Welche Funktionen könnte diese Hülle aufnehmen, die den Markt ergänzen und Synergien bringen? Sind Büros, Kultur- oder Bildungseinrichtungen z.B. geeignete Nutzungen, die die Nahversorgung ergänzen können?
Könnte eine Markthalle auch ein architektonisches Merkzeichen setzen, das für den Stadtteil identitätsstiftend sein könnte?

Temporäre Marktstände

Dort, wo sich neue, kleinräumige Zentren oder Verkehrsknotenpunkte etablieren, entstehen manchmal informelle oder temporäre Märkte wie z.B. am Maria-Restituta-Platz bei der Station „Handelskai“.
Um hier das Ver- und Einkaufen besser zu gestalten, könnten leicht verschließbare, mobile Stände eingesetzt werden. Diese würden auch die Arbeitssituation der MarktverkäuferInnen verbessern und könnten bei Bedarf von mobilen Gastro-Ständen ergänzt werden, ohne zur permanenten Verhüttelung des öffentlichen Raumes beizutragen.

Das gastronomische Angebot vor Ort wird noch zusätzlich durch sogenannte "Foodtrucks" erweitert.

Zukunftsmärkte
Ansätze für die „Markt-Entwicklung“

Heute muss ein Markt mehr können, als nur Lebensmittelnahversorger zu sein. Es braucht eine geeignete bauliche Struktur, die eine vielfältige Nutzung ermöglicht und die Stände gut im Stadtteil anbindet.

  • Funktionale und räumliche Erweiterung

Um das Überleben von Märkten zu sichern, gibt es mehrer Möglichkeiten. In der komplexen und vielschichtigen Stadt erscheint es empfehlenswert, monofunktionale Stadtgebilde, wie sie klassisch auf Märkten zu finden sind, um weitere Nutzungen zu ergänzen. Oder das Angebot am Markt zu spezialisieren.Und damit nutzbar für Viele zu machen.

Beispiele wären etwa angeschlossene Flohmärkte oder ein gastronomisches und kulturelles Angebot. Auch die Raumgestaltung kann so erfolgen,  dass der Markt im Freiraumverbund des Bezirks integriert ist.

  • Städtebauliche Orientierung der Stände überdenken

Viele traditionelle Märkte in Wien orientieren sich in das „Innere“ des Marktes. Dadurch entstehen vor allem außerhalb der Öffnungszeiten unattraktive, weil abgeschottete Bereiche. Durch die Innenorientierung wird die Umgebung oft nicht eingebunden und wichtige Synergien mit benachbarten Geschäften nicht genutzt.

Durch eine bauliche Öffnung kann das "Marktleben" mit den angrenzenden Straßenzügen "verzahnt" werden.

  • Markt als Teil im Freiraumnetz

Die teils mit Bäumen ausgestatteten Vorbereiche und Platzsituationen, die auf vielen Märkten zu finden sind, sollten besser in die Umgebung eingebettet bzw. zu dieser hin geöffnet werden.

So ist es möglich, das Marktgebiet auch außerhalb der Geschäftszeiten zu nutzen und das Freiraumangebot im teils sehr dichten Baugebiet zu erweitern. Parallel dazu steigt auch die Aufenthaltsqualität am Markt selbst.

 

 

  • Neues gemeinsam entwickeln

Um die bestehenden Qualitäten herauszuarbeiten und neue, innovative Lösungen für Märkte zu finden, ist eine detaillierte Analyse der baulichen Gegebenheiten notwendig. Dabei müssen alle AkteurInnen eingebunden werden. Nur so können funktionierende Strukturen identifiziert und zukunftsweisende Ideen entwickelt werden.

Dazu zählen die MarktstandlerInnen, die hier arbeiten ebenso wie die BewohnerInnen, die hier leben und einkaufen. Ebenso alle AkteurInnen, die zusätzliche Angebote auf den Markt bringen sowie die Menschen in den benachbarten Stadtteilen.

Um Märkte wieder zum Kristallationspunkt im Stadtteil zu machen bedarf es somit unterschiedlicher Maßnahmen. Entscheidend scheint die Entwicklung eines erweiterten Raumprogrammes, das eventuell auf mehreren Ebenen fußt. Ebenso wie die Erweiterung um Freiräume und um Angebote, die sich an die Basisfunktion der Nahversorgung anschließen.

Teil 2: Interview mit Frau Maierhofer-Tuna, Grätzeldeligierte im Volkert- und Alliiertenviertel und Initiatorin des "Themenmarkts" am Volkertplatz.

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