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Vernetzt auf vielen Ebenen

Die „unsichtbare“ Arbeit fürs Sonnwendviertel

Stadtteilmanagement – das heißt: Im Viertel präsent sein, BewohnerInnen informieren, Beratungen anbieten, Ideen austauschen, Gemeinschaftsprojekte entwickeln, Veranstaltungen unterstützen, organisieren und moderieren. Das bedeutet im Idealfall: Kleine jedoch für den Alltag wichtige Verbesserungen erreichen – die Schaffung einer Radabstellmöglichkeit, die Korrektur eines verwirrenden Straßenschilds, die Entschärfung einer gefährlichen Garagenausfahrt, die Akquisition eines Bio-Bauern für einen wöchentlichen Marktstand oder auch die Moderation von Nutzungskonflikten im gemeinsamen Hof.

StadtteilmanagerInnen sind letztendlich Teil der lokalen Community: Bekannte Gesichter, die man im Stadtteil oder im Stadtteilbüro antrifft, denen man nicht nur Geschichten erzählt, sondern auch Probleme anvertraut und an Erfolgen im Stadtteil teilhaben lässt. Was aber machen die StadtteilmanagerInnen, wenn sie nicht im Grätzel unterwegs sind, Anfragen beantworten oder Veranstaltungen organisieren?

Ein Blogbeitrag von Gudrun Peller und Christoph Gollner

Ein beträchtlicher Teil der Arbeit des Stadtteilmanagements wird in der Tat recht unbemerkt durchgeführt - ist aber, wie die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, ein wesentlicher Faktor für das Gelingen eines neu entstehenden Stadtteils. Wir sprechen dabei von Vernetzung. Ein Begriff, inflationär gebraucht und teils abgenutzt, der jedoch mit dem richtigen Gehalt gefüllt große reale Wirkung entfaltet.

Laut Wikipedia: „Vernetzung ist ein Begriff aus der Systemtheorie. Ein System besteht aus einzelnen Teilen, die durch Ursache-Wirkungs-Beziehungen und allgemeine und besondere Systemeigenschaften miteinander vielfältig verknüpft sind."

Noch konkreter wird der Begriff in der Soziologie wie folgt beschrieben: Eine gut vernetzte Person habe „ein Geflecht von Beziehungen zu anderen Personen, zum Beispiel in verschiedenen Organisationen, die ihr unter anderem helfen, rasch an Informationen oder Hilfe zu kommen oder Krisensituationen zu vermeiden oder zu bewältigen.“

Kernaufgabe: Vernetzung!

Was für Personen gilt, trifft auch auf Einrichtungen wie das Stadtteilmanagement Sonnwendviertel zu. Das Kennen von und der regelmäßige Kontakt mit handelnden AkteurInnen im Stadtteil, der Austausch von Informationen sowie lokalem und fachlichem Know-How sind elementare Voraussetzungen für wirksame Aktionen und Interventionen. StadtteilmanagerInnen verfügen über das Wissen des aktuellen Diskussions-, Planungs- und Umsetzungsstands. Dieser will vermittelt werden und ist Basis für Überlegungen zu etwaigen Verbesserungen und Optimierungen im Stadtteil.

Die GB* – und damit auch das Stadtteilmanagement – hat keinen Planungsauftrag. Aber ihre Vernetzungstätigkeit, insbesondere mit Dienststellen der Stadt Wien und der Bezirksvorstehung (diese sind für Planung und Umsetzung zuständig), schafft erst die Möglichkeit für sichtbare Verbesserungsmaßnahmen im Grätzel. Vernetzung wird somit nicht als Begleiterscheinung verstanden, sondern ist der Kern der „Job Description“ des Stadtteilmanagements - nicht nur im Sonnwendviertel.

Austausch mit der Bezirksvertretung

Das Stadtteilmanagement Sonnwendviertel ist in Planungsbesprechungen und Jour Fixes von EntscheidungsträgerInnen und Fachdienststellen eingebunden. Vor allem die Zusammenarbeit mit der Bezirksvorstehung im 10. Bezirk ist wesentlich: Die GB*10 bzw. das Stadtteilmanagement Sonnwendviertel nimmt an Sitzungen der Stadtentwicklungs- bzw. Verkehrskommission und des Bauausschusses teil. In diesen Gremien werden nicht nur aktuelle Projekte vorgestellt und diskutiert, sondern von den in der Bezirksvertretung vertretenen Parteien abgestimmt und beschlossen (etwa ein neuer Flächenwidmungsplan im Projektgebiet, öffentliche und private Bauprojekte, Änderungen in der Verkehrsorganisation).

Darüber hinaus treffen sich die StadtteilmanagerInnen mit den zuständigen VertreterInnen des Bezirks zu Besprechungen, leiten Bedürfnisse und Anfragen der BewohnerInnen an diese weiter und besprechen mögliche Vorgangsweisen für die Umsetzung von Maßnahmen. BewohnerInnen-Anfragen können vom Stadtteilmanagement in Planungsüberlungen kanalisiert und mit den demokratisch legitimierten Organen des Bezirks abgestimmt werden und tragen somit zum Meinungsbildungsprozess auf dieser Ebene bei.

Konkrete Anregungen für Verbesserungen aus der Praxis des Stadtteilmanagements Sonnwendviertel betreffen etwa die Verbindung des neuen Stadtteils mit den bestehenden Nachbarschaften – z.B. eine mögliche Umgestaltung der Keplergasse oder des Sonnwendspitzes an der Kreuzung mit der Gudrunstraße. Ebenso wird Verbesserungsbedarf der lokalen Infrastruktur – ärztliche, soziale, kulturelle Versorgung, Führung von öffentlichen Verkehrsmitteln – thematisiert. So ist z.B. die Einrichtung eines Jugendtreffs im Bildungscampus Sonnwendviertel ein konkretes Ergebnis erfolgreicher Vernetzungsarbeit.

Einbringen und Vermittlung von lokalem Know-How

Zentrale Netzwerk-Partner sind die Projektleitung Wien Bahnareale (PWB) und die Zielgebietskoordination der Stadt Wien. Neben wichtigen Informationsaustausch werden gemeinsam strategische Fragen erörtert,  Projekte entwickelt und umgesetzt. In Kooperation mit der PWB entstanden die Radtouren rund um das Sonnwendviertel, die sich nicht nur großer Beliebtheit erfreuen sondern ein wichtiges Tool in der Vermittlung des aktuellen Entwicklungsstands im Planungsgebiet für interessierte BürgerInnen darstellen.

In Kooperation mit der PWB werden auch Führung von (internationalen) Delegationen durch das Gebiet (allein fünf im September 2016) angeboten. Gerade diese internationalen Kontakte tragen wesentlich zum fachlichen Austausch bei, der wertvolle Anregungen für die Tätigkeit des Stadtteilmanagements bringt.

Nicht zuletzt erfährt das Stadtteilmanagement der Stadt Wien fachliche Anerkennung auf der Ebene europäischer Städtepolitik, die zur Reputation Wiens mit seiner Wohnbau- und Stadtentwicklungspolitik beitragen. In der Planungsphase – etwa für das Sonnwendviertel Ost – ist neben der Zusammenarbeit mit städtischen Dienststellen auch die Vernetzung mit der ÖBB als Grundeigentümerin bedeutend. Das Stadtteilmanagement Sonnwendviertel war sowohl im Rahmen des kooperativen Planungsverfahrens als auch in das Quartiersentwicklungsgremium (das über die Vergabe der einzelnen Baufelder entscheidet) für den aktuell vor dem Baustart stehenden Bereich östlich des Helmut-Zilk-Parks eingebunden. Hier konnte das in der täglichen Arbeit mit den BewohnerInnen erworbene lokale Know-How der GB*/des Stadtteilmanagements in die Planungs- und Vergabeentscheidungen eingebracht werden.

Das Geheimnis erfolgreichen Stadtteilmanagements

Vor allem in der Planungs-, Bau- und Besiedlungsphase ist die Vernetzung mit dem Wohnbauressort, dem wohnfonds_wien und den einzelnen Bauträgern im Sonnwendviertel von herausragender Bedeutung. Frühzeitig Bescheid zu wissen, was, wann, wie, und wo umgesetzt (oder eben nicht umgesetzt) werden soll, bietet die Möglichkeit, die Nachbarschaft einzubinden und zu informieren. Weiters können in Zusammenarbeit mit den Bauträgern und zuständigen Institutionen sinnvolle Nutzungskonzepte entwickelt werden und damit kann zeitgerecht auf Entwicklungen im Stadtteil reagiert werden  (z.B. „Hundeproblematik“ nach Eröffnung der Innenhöfe der einzelnen Bauteile des Sonnwendviertels).

Vielfalt der Themen, Vielfalt der NutzerInnen

Für konkrete Projekte bedarf es zudem einer funktionierenden Gesprächsbasis mit der Bezirksvorstehung und Dienststellen der Stadt Wien – insbesondere der MA 18, MA 25, MA 28 und MA 42. Durch den kontinuierlichen Austausch mit diesen Magistratsabteilungen können Projekte wie die temporäre Hundezone und das temporäre Gartenlabor auf der zukünftigen Trasse der Straßenbahnlinie D realisiert werden.

Die Vernetzung mit Institutionen wie der Wirtschaftskammer Wien, den wohnpartnern oder der Jugendarbeit in Favoriten ist für eine umfassende Betrachtungsweise der Entwicklungsdynamik wichtig. Dies schärft den Blick auf die Bedürfnisse verschiedenster AkteurInnengruppen im komplexen Gefüge des Stadtteils. Auch für den Bereich der lokalen Ökonomie gibt es ExpertInnen: Das Stadtteilmanagement arbeitet seit Jahren nicht nur mit UnternehmerInnen im Stadtteil, sondern vor allem auch mit der Wirtschaftskammer Wien zusammen um Strategien zum Ausgleich von Defiziten und zur Aktivierung der lokalen UnternehmerInnen-Landschaft zu entwickeln.

Stadtteilmanagement ist eine Tätigkeit, die vielfältige Themen des Wohnens und Stadtlebens berührt und mit unterschiedlichsten NutzerInnengruppen zu tun hat – durch Vernetzung den Überblick zu bewahren und die „richtigen Leute“ zum „richtigen Zeitpunkt“ zusammenzubringen und zu "aktivieren", ist wohl ein „Geheimnis“ erfolgreichen Stadtteilmanagements.

 

 

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