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Garten mit Sinn

Vom Gartenlabor zum Sonnwendgarten

Ein neuer Stadtteil für Favoriten: Das Sonnwendviertel. Neue BewohnerInnen, die großes Interesse am urbanen Garteln haben. Ein geplanter Nachbarschaftsgarten im Helmut-Zilk-Park, der aber noch eine ganze Zeit auf sich warten lässt. Ein Ziel: Den Menschen temporären Raum zum Gärtnern zur Verfügung zu stellen. Das beschreibt in aller Kürze die Ausgangssituation für ein besonderes Gartenprojekt, dass das Stadtteilmanagement-Team der GB*10 von 2016 bis Mitte 2017 umgesetzt hat.

Ein Blogbeitrag von:

Ein Gartenlabor für das Sonnwendviertel

Mit dem "Gartenlabor Sonnwendviertel" entsteht 2016 ein offener Raum für gärtnerisches und nachbarschaftliches Experimentieren, der bis zur Fertigstellung des Nachbarschaftsgarten im Helmut-Zilk-Park im Sommer 2017 genutzt wird.

Ein neuer Garten für den Stadtteil wächst ...

Die BewohnerInnen des Sonnwendviertels interessieren sich von Beginn an für ihr neues Wohnumfeld, insbesondere auch für den großen Park, der an der Stelle einer riesigen Lehm-Halde entstehen soll. Die Vorfreude auf den grünen Freiraum im Stadtteil wird durch das Studium von Plänen und Renderings geweckt, die auch einen als "Community Garden" ausgezeichneten Bereich anführen. In unserem Stadtteilbüro Sonnwendviertel klingeln die Telefone und viele E-Mail-Anfragen erreichen uns: "Wann gibt’s den Garten? Wie wird er ausschauen? Ich möchte unbedingt dabei sein, wo kann ich mich anmelden?" Die InteressentInnenliste wird länger und länger, aber noch haben wir keine endgültigen Antworten für die Menschen vor Ort.

Die Frage lautet: "Wie soll ein Garten im Helmut-Zilk-Park überhaupt ausschauen? Und wer soll mitmachen können?"

Eine wichtige Aufgabe des Stadtteilmanagements - mit dem wir als GB*10 im Sonnwendviertel beauftragt sind - ist es, "das Alte mit dem Neuen" zu verbinden. Auch ein Garten soll  „alte“ und „neue“ SonnwendviertlerInnen zusammenbringen und auch für Nicht-GärtnerInnen etwas bieten. Vor allem aber soll er ein selbstorganisierter Gartenraum sein, der den Menschen, die hier wohnen und leben, entspricht und in den Stadtteil passt.

Um diese Ansprüche zu erfüllen und die Zeit bis zum geplanten Nachbarschaftsgarten im Helmut-Zilk-Park zu überbrücken, wird auf unsere Initiative im April 2016 eine 800 m2 große, zentrale Freifläche, die für den (Aus)Bau der Straßenbahn freigehalten ist, für einen begrenzten Zeitraum geöffnet.

Die BewohnerInnen sind eingeladen,

  • diesen Raum als temporäres Gartenlabor zu nutzen,
  • Erfahrungen als StadtteilgärtnerInnen zu sammeln,
  • einen lokalen Treffpunkt rund ums Garteln einzurichten,
  • sich als Gruppe zu finden
  • und in weiterer Folge gemeinsam das Nachbarschaftsgartenprojekt im Helmut-Zilk-Park vorzubereiten.

Ideen brauchen Raum – Das Konzept Gartenlabor

Das Gartenlabor Sonnwendviertel ist ein offener Ort, offensichtlich unfertig und improvisiert: In der Mitte steht ein großer Tisch mit einer Bank. In Hochbeeten aus Paletten, Blumentöpfen und mit Ziegeln eingefassten Erdhügeln wachsen Gemüse und Kräuter - an manchen Stellen ungepflegt, gemeinsam mit wucherndem Unkraut.

Es ist ein Ort, der neugierig macht und Menschen zum Mitmachen anregt. Ein Ort, der vermittelt: „Ich bringe ein paar Salatpflanzen in einem großen Blumentopf und schon bin ich dabei“.

Doch nicht jeder, der sich für das Gartenlabor interessiert, muss auch selber gärtnern.

  • Volksschulkinder gehen auf ihrem Heimweg regelmäßig durch das Gartenlabor, beobachten das Wachstum der verschiedenen Pflanzen und kosten auch mal von den roten Tomaten.
  • Arbeiter von den zahlreichen umliegenden Baustellen jausnen im Gartenlabor.
  • Einige AnrainerInnen dokumentieren fotografisch wie das Gartenlabor wächst und gedeiht.
  • Ein älteres Ehepaar kauft Kräuter-Stöckerl und setzt sie in vermeintlich ungenutzte Beete – echte Favoritner Guerilla GärtnerInnen eben ;-)
  • Menschen, die regelmäßig den vorbeiführenden Radweg benützen erfreuen sich an der Lebendigkeit des Ortes und berichten uns, wenn es Probleme gibt.

Ein "Schwarzes Brett" bietet, für alle zugänglich, Informationen zu Aktivitäten und neuen Initiativen im Grätzl - wie z.B. einen gerne besuchten Deutsch-Konversationskurs.

"So geht Gartenlabor"! Oder, wie gemeinschaftliche Aktivität entsteht.

Bevor ein Projekt wie das Gartenlabor in Betrieb genommen werden kann, muss der organisatorische Rahmen stehen. Hier kommen wir, die GB*-StadtteilmanagerInnen, ins Spiel: Wir holen beim Magistrat eine Gestaltungserlaubnis ein, schließen eine Haftpflichtversicherung ab, suchen um Erlaubnis zur Nutzung der Wasserleitung im Park an und kümmern uns um die Errichtung von zwei - von der Bezirksvorstehung finanzierten - Hochbeeten, einem Tisch und einer Bank, in der auch Werkzeug verstaut werden kann.

Alles Weitere wird von den BewohnerInnen selbst erledigt - selbstverständlich mit unserer organisatorischen Unterstützung

  • Bei einem Infotag in der Halle der GB*10 können sich Interessierte zum Projekt und -ablauf informieren.
  • Bei einem Planungs-Workshop werden gemeinsame Vorhaben beschlossen und im Rahmen von zwei Bautagen sogleich umgesetzt.
  • Rasch entstehen einige Paletten-Hochbeete mit Bänken, ein Bohnen-Tippi, eine Kräuterspirale und Beete mit Ziegeleinfassung.
  • Gemeinschaftsbeete werden mit Kräutern und mit den Zutaten für die Zubereitung eines Ratatouilles bepflanzt. Zur einfachen Kommunikation wird eine Google-Group eingerichtet.
  • In der Folge treffen sich die GärtnerInnen regelmäßig bei den Gartenlabor-Tagen zum Austausch. Hier werden gemeinsame Herausforderungen gemeistert, neue GärtnerInnen eingewiesen und neue Projekte gestartet.

So wird in nur zwei bis drei Monaten aus einer leeren Fläche ein blühender Treffpunkt, der Mehrwert und Nutzen für alle im Stadtteil bringt!

Von 30 Aktiven zu Beginn steigt die Zahl der GärtnerInnen in nur zwei Saisonen auf 70 beteiligte Haushalte.

Im Gartenlabor wird auch gefeiert! Beim Eröffnungsfest mit Grillerei und beim Winterfest, bei dem der Garten fit für die kalte Saison gemacht wird. Gemeinsam gekocht wird in der Community Kitchen der Caritas Wien. 

Bei Workshops zum gemeinsamen Beetbau, beim händischen Schottern der Gehwege und beim Bau des "Schwarzen Brettes" entstehen neue Freund- und Bekanntschaften. Ideen und Erfahrungen im Nachbarschaftsgärtnern holt man sich bei gemeinsamen Spaziergängen zu verschiedenen Gartenprojekten in den umliegenden Bezirken.

Auch wir StadtteilmanagerInnen haben weiterhin viel zu tun: Von der allgemeinen Administration und Koordination - z.B. von Terminen und Veranstaltungen und mit Dienststellen, über die Bereitstellung von Infrastruktur, wie eine Biotonne, der Ankauf von Wassertonnen, die Erneuerung des Schlauchsystems oder den Abtransport von fälschlich gelagertem Müll ... jede Menge los im Gartenlabor!

Wie gesagt, mitmachen konnte jede/r im Stadtteil, lediglich eine Nutzungsvereinbarung war zu unterzeichnen.

 

Diese informiert und regelt,

- dass es sich um ein zeitlich befristetes Projekt handelt,

- dass es erforderlich ist, alle selbst errichteten Dinge wieder abzubauen,

- dass Fragen und Ideen bei den regelmäßigen Gartenlabor-Tagen und in einer Google-Gruppe besprochen werden können

- und wie Gießwasser und Gartengeräte zu nutzen sind.

Zusammen Wachsen: Das Gartenprojekt als Teil der Stadtteilarbeit

Durchs Sonnwendviertel verläuft ein deutlich sichtbarer "Bruch": Während im Westen kleinteilige Blockbebauung, Bausubstanz aus dem vorigen Jahrhundert - teils sanierungsbedürftig oder eingerüstet -, gemischte Nutzungen und dicht verparkte Straßen dominieren, sind es im Osten großvolumige, neue Wohnbebauungen, Pflanzen, die erst wachsen müssen und großzügige Straßenzüge, die den Stadtteil charakterisieren.

Und während das „neue“ Sonnwendviertel überwiegend von jungen, gut am Arbeitsmarkt verankerten Paaren mit und ohne Kinder bewohnt wird, ist die Bevölkerung im älteren Favoriten sehr viel heterogener und im Durchschnitt sozio-ökonomisch schlechter gestellt.

Nun, man kann sich misstrauisch beäugen und die unbekannten Grätzel meiden oder aber aus dem Vollen schöpfen!

Den BewohnerInnen des alten Sonnwendviertels stehen nun zusätzliche öffentliche Verkehrslinien, Radwege, ein modernster Schulcampus und ein großer Park zur Verfügung. Die Neo-BewohnerInnen finden in Gehweite vom kleinen Spezialgeschäft, einem bunten Markt, internationalem Speiseangebot bis zum Amalienbad alles, was eine Großstadt ausmacht.

Unsere zentrale Aufgabe im Rahmen des Stadtteilmanagements ist es, Menschen dabei zu unterstützen, sich im alten und im neuen Sonnwendviertel zurechtzufinden und zu Hause zu fühlen, Berührungsängste zu nehmen und eine „Brücke“ zu bauen. Das temporäre Gartenprojekt und der nun in Betrieb genommene Sonnwendgarten im Helmut-Zilk-Park sind hierfür wichtige "Brückenpfeiler".

Interessierten sich  zu Beginn vor allem Neo-BewohnerInnen für das Gartenprojekt, finden im Laufe der Projektdauer auch immer mehr Menschen aus den Gemeindebauten und Gründerzeithäusern des "alten" Sonnwendviertels den Weg ins Gartenlabor.

Junge Menschen, BewohnerInnen, die sich noch kaum auf Deutsch verständigen können und Institutionen, die Menschen mit besonderen Bedürfnissen und in besonderen Lebensphasen betreuen, werden auf das Gartenlabor aufmerksam und schließen sich der Gartengruppe an.

Viele dieser Menschen haben noch nie vom hippen Trend des Urban Gardening gehört und finden hier erstmals einen Zugang zum Gemüseanbau in der Stadt, zu bewusster Ernährung und nachbarschaftlichem Engagement.

Damit das auch so bleibt, legt die Gruppe für den neuen Sonnwendgarten eine Quote für BewohnerInnen aus dem "alten" Sonnwendviertel fest. Auch das Jugendzentrum, die Parkbetreuung, ein Tageszentrum der Caritas, eine Wohngemeinschaft der ÖHTB sind Mitglieder des Sonnwendgartens. Auf diese Weise können Menschen, denen es aus verschiedenen Gründen alleine nicht möglich ist kontinuierlich Teil der Gruppe zu sein, in Gemeinschaft garteln.

Damit jeder auf seine persönliche Weise Teil der heterogenen Gartengruppe sein kann, werden unterschiedliche Kommunikationskanäle genutzt und es gibt „Buddys“ für neue Sonnwendgarten-Mitglieder.

Ausblick: Vom „Gartenlabor Sonnwendviertel“ zum „Sonnwendgarten“

Ende 2016 startet die Gruppe damit, das "Gartenleben" im Stadtteil nach dem Gartenlabor vorzubereiten. Für den passenden rechtlichen und organisatorischen Rahmen wird ein Verein gegründet, fixe Mitgliedschaften sind erforderlich.

Wir vom Stadtteilmanagement Sonnwendviertel begleiten und unterstützen die Gartengruppe bei Bedarf und insbesondere dabei, die übergeordneten Ziele im Auge zu behalten, die innerhalb der Gruppe und auf Basis der vielen Kompetenzen und gemeinsamen Erfahrungen definiert wurden.

Mittlerweile ist der Nachbarschaftsgarten Sonnwendgarten im Vereinsregister eingetragen und die Nutzungsbewilligung ist unterzeichnet. Nicht mehr benötigtes Bauholz von den umliegenden Baustellen wird gerade  in der gemeinschaftlichen Tischlerei des Wohnhauses im "Wohnzimmer" vorbearbeitet. Demnächst werden damit die Gartenhütte und die ersten Beete gebaut und dann kann auch der neue Sonnwendgarten wachsen!

Fragen zum oder Interesse am Gärtnern im Sonnwendviertel?
GB*-Kontakt: Gudrun Müller, gudrun.mueller(at)gbstern.at oder 01/602 31 38

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